Baubranche drückt die Quote
Arbeitslosigkeit steigt deutlich

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Angaben aus informierten Kreisen im Mai saisonbereinigt unerwartet drastisch um 60 000 gestiegen.

rtr BERLIN. Auch der für die Jahreszeit übliche Rückgang der unbereinigten Arbeitslosenzahl fiel den Angaben zufolge geringer aus als von der Bundesregierung und Experten erwartet. Die unbereinigte Zahl sei zwar erstmals in diesem Jahr unter die Vier-Millionen-Marke auf 3,946 Mill. Arbeitslose gesunken, hieß es am Freitag in den Kreisen. Dies seien knapp 78 000 weniger als im April, aber rund 225 600 mehr als im Mai vorigen Jahres. Die Arbeitslosenquote sank demnach im Vergleich zum April auf 9,5 von 9,7 %. Die Bundesanstalt für Arbeit stellt die amtlichen Zahlen am Vormittag in Nürnberg vor.

Von Reuters befragte Banken-Volkswirte vermuteten, der hohe Anstieg der saisonbereinigten Zahl könne auf den schwachen Bausektor oder einen statistischen Ausnahmeeffekt zurückzuführen sein. Analysten hatten im Durchschnitt einen Anstieg der bereinigten Arbeitslosigkeit um 8800 vorhergesagt. Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank sagte: "Der Anstieg ist wesentlich größer als erwartet." Die bereinigte Zahl zeige, dass der Arbeitsmarkt sehr schwach bleibe. "Das könnte etwas mit dem Bausektor zu tun haben, der im Mai einen sehr schlechten Monat hatte", sagte Kochwasser. Peter Meister von der BHF-Bank sprach von einem statistischen Sondereffekt, den man nicht überbewerten dürfe. "Der deutsche Arbeitsmarkt ist sehr schwach und wird auch in den kommenden Monaten schwach bleiben", sagte Meister.

In Westdeutschland stieg die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen den Angaben aus informierten Kreisen zufolge um 41 000 und in Ostdeutschland um 19 000. Auf unbereinigter Basis sei die Zahl Arbeitslosenzahl indes auf 2,561 Mill. (April: 2,603) Mill. im Westen und auf 1,385 (1,421) Mill. im Osten gesunken. Für den Westen ergebe sich damit eine Quote von 7,6 (7,8) Prozent und im Osten von 17,7 (18,1) Prozent. Die Arbeitslosenzahl ist damit schlechter als von Mitgliedern der Bundesregierung erwartet. Bundeskanzler Gerhard Schröder wie auch Arbeitsminister Walter Riester (SPD) hatten sich in den vergangenen Wochen überzeugt geäußert, dass die unbereinigte Zahl deutlich unter vier Mill. gesunken sei. Riester hatte bereits Mitte Mai gesagt, er erwartete "weit über 100 000" weniger Arbeitslose. Arbeitsmarktexperten hatten mit einem Rückgang um bis zu 150 000 gerechnet. Ein Rückgang der unbereinigten Zahl ist im Mai typisch, da mit der besseren Witterung die Beschäftigung in Branchen wie Gastronomie und Bauwirtschaft zunimmt.

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