Bauer bestätigt Interesse
WAZ gegen Einstieg bei Kirch-Media

Die Essener Verlagsgruppe WAZ ist nicht mehr an einer Übernahme der Kirch-Media interessiert. Nach Prüfung aller Chancen und Risiken habe die Geschäftsführung den Eigentümern einstimmig von einer Beteiligung abgeraten, sagte ein WAZ-Sprecher am Montagabend.

wiwo/AP MÜNCHEN. Die Commerzbank hatte zusammen mit der WAZ und dem Hollywood-Filmstudio Columbia ein Übernahmeangebot in einer Größenordnung von zwei Milliarden Euro vorbereitet. Das Amtsgericht München eröffnete unterdessen das Insolvenzverfahren für die Kirch-Media. Zwei Monate nach der Zahlungsunfähigkeit machte das Gericht damit den Weg für den Verkauf des Unternehmens frei. Neben dem Commerzbank-Konsortium hatten auch die Verlage Axel Springer und Heinrich Bauer grundsätzlich Interesse angemeldet.

Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter sagte: "Wir sind in Gesprächen mit Springer über die Gründung eines Konsortiums." Beide Gruppen hatten sich offen für weitere Partner gezeigt. Ob sie nun zusammen gehen, ist offen. Die WAZ erklärte ihr Ausscheiden mit den "wirtschaftlichen Daten und Konstellationen" bei KirchMedia. Die mit rund drei Milliarden Euro verschuldete Kirch-Media hatte im April als erstes Unternehmen in Leo Kirchs Medienunternehmen Insolvenz angemeldet, nachdem Rettungsversuche mit ausländischen Investoren gescheitert waren.

Kirch-Media hält die Mehrheit an der Fernsehgruppe Pro-Sieben-Sat.1 sowie umfangreiche Film- und Sportrechte, darunter die Übertragungsrechte für die Fußball-WM. Das Amtsgericht München ordnete bereits am Freitagabend eine Insolvenz der Kirch-Media in Eigenverwaltung an. Damit können die Sanierer Wolfgang von Betteray und Hans-Joachim Ziems die Geschäfte wie bisher fortführen. Ziel sei der dauerhafte Erhalt der wesentlichen Unternehmensteile im Interesse der Gläubiger, erklärte die Kirch-Media.

Beaufsichtigt wird die Geschäftsführung von einem Gläubigerausschuss und dem bisherigen vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffe, den das Gericht zum Sachwalter ernannte. Wie das Gericht mitteilte, soll die Gläubigerversammlung am 1. August erstmals selbst über das weitere Verfahren entscheiden. Dabei muss die Geschäftsführung einen Bericht über die wirtschaftliche Lage und die Sanierungsperspektiven vorlegen. Bei einem Prüfungstermin am 24. Oktober will das Gericht über die Forderungen der Gläubiger entscheiden. Neben den Banken haben auch Hollywood-Studios und die Bundesliga offene Forderungen gegen das Medienunternehmen.

Bertelsmann lehnte einen Einstieg bei Kirchs ums Überleben kämpfenden Pay-TV-Sender Premiere ab. "Wir glauben nicht an das Konzept, das wir gesehen haben", sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff der "Süddeutschen Zeitung".

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