Bauer-Verlag beobachtet Situation genau
Banken drohen Saban mit Verhandlungsabbruch

Die Gläubigerbanken der insolventen Kirch Media lehnen den jüngsten Geschäftsplan des US-Milliardärs Haim Saban für die Filmbibliothek und die TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 ab.

Reuters FRANKFURT. In einem Reuters vorliegenden Brief an Sabans Chefunterhändler Adam Chesnoff drohen sie indirekt mit dem Abbruch der Verhandlungen, falls Saban seine Position nicht revidiere.

Der Geschäftsplan vom 11. April bringe im Vergleich zur ursprünglichen Vereinbarung substanzielle Nachteile für die Banken, heißt es in dem Brief vom 15. April, den die DZ Bank auch im Namen der übrigen Gläubigerinstitute Bayern, HVB Group und Commerzbank geschrieben hat.

Zu den Nachteilen zählten unter anderem deutlich niedrigere Rückzahlungen für die von den Banken in neue Kredite übertragenen Altschulden in den Jahren 2004 und 2005 sowie "dramatische Kostenanstiege" und die Tatsache, dass Saban keine Auslagen für Dienstleistungen im Rahmen der Transaktion übernehmen wolle. "Die Verschlechterung der Kreditbedingungen ist ganz und gar nicht akzeptabel für die involvierten Banken", heißt in dem Brief.

Die Banken machen klar, dass sie sich aus den Gesprächen zurückzuziehen könnten, falls Saban die Änderungen nicht zurücknimmt. "Weitere Verhandlungen können nur auf der von den Banken erstellten Kreditdokumentation vom 8. April und dem Business Plan vom 5. März basieren", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben. Die Banken signalisierten dennoch ihre Gesprächsbereitschaft, forderten aber, dass Chesnoff an allen eventuellen Gesprächen persönlich teilnehmen solle.

Saban-Kreise weisen Vorwürfe zurück

In Saban nahen Kreisen hieß es dagegen, der neue Geschäftsplan beinhalte keine Änderungen oder Benachteiligungen für die Banken. Es gebe auch keinen Grund, an der fristgerechten Finanzierung bis Mitte Mai zu zweifeln. Die Ursprungsvereinbarung, die Teil der Vertragsunterlagen im März war, werde jetzt in einen Kreditvertrag übersetzt. "Das sind ganz normale Vertragsverhandlungen, nichts Dramatisches." Nach Ostern werde mit den Banken weiterverhandelt, um schnell zu einem Abschluss zu kommen. Der US-Investor spreche mit mehreren Banken und Finanzinvestoren über eine Beteiligung an der Übernahme. "Eine kleine Gruppe von Investoren macht gerade eine Unternehmens-Prüfung (Due Diligence). Mehr als 30 Gruppen sind auf uns zugekommen und weniger als fünf sehen sich den Deal jetzt genau an", hieß es in den Kreisen.

Nach einem monatelangen Bieterwettstreit hatte Saban Anfang März den Zuschlag für Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 und den KirchMedia-Filmrechtehandel erhalten. "Geld ist kein Problem", hatte er nach der Unterzeichnung der Verträge in München gesagt. Als gleichberechtigter Partner bei der Übernahme des US-Investors war zunächst der französische TV-Konzern TF1 vorgesehen "Eine 50/50-Beteiligung ist aber wohl vom Tisch. Wenn, dann wird TF1 einen kleineren Anteil übernehmen", hieß es in verhandlungsnahen Kreisen.

Jaffe: Verhandlungen mit Saban sind abgeschlossen

Insolvenzverwalter Michael Jaffe hatte am Donnerstag in einem Reuters-Interview gesagt, er betrachte die Verhandlungen mit Saban als abgeschlossen und die Finanzierung als gesichert. Der Abschluss des Verkaufs, den noch die Kartellbehörden genehmigen müssen, wird für Mitte Juni angepeilt. Für zunächst 36 Prozent an der Senderfamilie bezahlt Saban den Kreisen zufolge 525 Millionen Euro, der Preis für die Filmbibliothek liegt bei rund 1,2 Milliarden Euro. Da ein Teil der Altschulden der Filmrechtegesellschaft in neue Kredite umgewandelt wird, muss Saban insgesamt rund eine Milliarde Euro aufbringen - für eine geplante Kapitalerhöhung bei ProSiebenSat.1 und ein mögliches Übernahmeangebot an die außen stehenden Aktionäre kämen noch mehrere hundert Millionen Euro hinzu.

Der Hamburger Bauer-Verlag, der lange als Favorit galt - dann aber sein Angebot überraschend zurückzog, beobachtet die Situation sehr genau. Geschäftsführer Manfred Braun hatte erst in der vergangenen Woche ein anhaltendes Interesse an dem Deal bekundet. Die Frage ist aber, ob der Bauer-Verlag, der im Konsortium mit der HVB aufgetreten war, noch einmal eine Chance bekommt. "Eine Alternative ist immer noch Bauer, eine andere der Verkauf des Filmrechtestocks aus der Insolvenz heraus. Das wäre für die Banken keine attraktive Lösung", hieß es in den Bankenkreisen. Denkbar sei auch, dass die Banken die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 doch noch in Eigenregie versuchen. Die Kapitalerhöhung von gut 100 Millionen Euro bei dem TV-Sender ließe sich darstellen und für die Filmrechtebibliothek würden keine außen Stehende gebraucht, hieß es in den Kreisen.

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