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Bauernverband bei BSE-Bekämpfung für Rinderklonen

Klonen habe, nach Worten Sonnleitners, den Vorteil, dass mehrere Tiere mit BSE-Symptomen gleichzeitig untersucht werden könnten.

Reuters MÜNCHEN. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat zur besseren Erforschung der Rinderseuche BSE vorgeschlagen, Rinder mit Symptomen der Krankheit zu klonen. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner forderte am Dienstag in München zudem, der Staat müsse mehr Geld für die BSE-Forschung bereit stellen. Die Kontrollen bei Lebensmittelhändlern und bei Futtermittel-Herstellern müssten verstärkt werden. Der Verband wiederholte seine Drohung, gegen Hersteller bei konkretem Verdacht Strafanzeige zu stellen. Das Gesundheitsministerium in Berlin wies den Vorwurf des Wissenschaftsrates zurück, die dem Ministerium zugeordneten Forschungsinstitute würden mangelhaft koordiniert. In Spanien wurden zwei weitere BSE-Verdachtsfälle entdeckt.

Sonnleitner sagte auf Fragen von Journalisten, was er vom Klonen von Tieren mit BSE-Symptomen halte, es müsse alles versucht werden, was die BSE-Forschung voranbringe. Klonen habe den Vorteil, dass mehrere Tiere mit BSE-Symptomen gleichzeitig untersucht werden könnten. Ein Klonen von Rindern könnte nach Worten Sonnleitners möglicherweise die Prionenforschung voranbringen. Die Eiweißpartikel (Prionen) werden als BSE-Erreger vermutet. Bislang kann die Rinderseuche nur an toten Rindern nachgewiesen werden.

Der Wissenschaftler Eckard Wolf von der Universität München hatte in der vergangenen Woche den Vorschlag gemacht, Tiere mit BSE-Symptomen zu klonen. Forscher könnten dann mehrere Rinder gleichzeitig auf die Krankheitssymptome untersuchen, die nach Auffassung von Wolf mitgeklont würden. Vom Berliner Gesundheitsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorschlag zu erhalten.

BSE wird verdächtigt, beim Menschen eine neue Variante der tödlichen Creutzfeld-Jakob-Krankheit auszulösen. Bislang sind in Deutschland sieben BSE-Fälle an einheimischen Rindern nachgewiesen worden, davon fünf in Bayern. Im Verdacht, BSE auszulösen, steht Tiermehl. Es darf zwar seit 1994 in Deutschland nicht mehr an Wiederkäuer wie Rinder verfüttert werden. Bei Kontrollen wurde aber noch kurz vor Weihnachten Tiermehl in Rinderfutter entdeckt. Der Bauernverband bekräftigte, notfalls gegen einzelne Betriebe Strafanzeige zu erstatten, sofern sich konkrete Verdachtsmomente ergäben. Die Staatsanwaltschaft sei aufgefordert, Tiermehlverunreinigungen nachzugehen.

Sonnleitner sprach sich dafür aus, in Deutschland nach Schweizer Vorbild bei einem BSE-Fall nicht mehr die ganze Herde des betroffenen Rindes zu töten. Es spreche viel dafür, dass eine Gefahr nur von dem infizierten Rind ausgehe. Sonnleitner sagte weiter, die bisherigen BSE-Kontrollen der Behörden seien enttäuschend und unzureichend gewesen, da immer wieder falsch deklarierte Lebensmittel und Futtermittel im Handel auftauchten. Der Einzelhandel müsse "stärker in die Pflicht genommen werden" und die Waren "bis auf den Teller des Verbrauchers" kontrolliert werden. Wie die Bauern müssten auch Einzelhändler die Herkunft von Fleisch nachweisen könne.

Der Wissenschaftsrat bestätigte eine Meldung der "Süddeutschen Zeitung", wonach das Gremium die Koordination der Forschungseinrichtungen als mangelhaft kritisiert, die dem Bundesgesundheitsministerium unterstehen. Ein Sprecher des Rates sagte aber, ein entsprechendes Schriftstück sei noch nicht abschließend beraten worden. Zudem beziehe sich die Kritik nicht speziell auf den Umgang mit BSE. Das Ministerium erklärte, der Vorwurf mangelnder Koordinierung sei nicht nachvollziehbar.

Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) warf der Bundesregierung "Nachlässigkeit und Inkompetenz" in der BSE-Krise vor. Im Neujahrsbrief an die Unions-Abgeordneten schrieb er, mehrere Regierungsmitglieder seien offenbar ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien.

Am Freitag wollen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und Agrarminister Karl-Heinz Funke (SPD) den Gesundheitsausschuss des Bundestags über die Entwicklung der BSE-Krise informieren.

Nach zwei BSE-Fällen in der spanischen Provinz Galizien wurden nun zwei weitere Verdachtsfälle in der Provinz Kastilien-Leon entdeckt. Bestätigte BSE-Fälle gibt es in Großbritannien, Irland, Frankreich, Portugal, den Niederlanden und in der Schweiz.Österreich und Frankreich begannen am Dienstag mit BSE-Schnelltests bei Rindern, die älter als 30 Monate sind. In Österreich werden erste Ergebnisse am Mittwoch erwartet. Ab Juli sind diese Tests in der EU vorgeschrieben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO äußerte sich besorgt über die weltweite Ausbreitung von BSE. Man sei besorgt über mangelnde Kontrollsysteme in einigen Ländern, sagte eine WHO-Vertreterin in Genf.

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