Baufinanzierer BHW sieht keine Auswirkungen für eigene Zweitplatzierung: Sex-Firma verschreckt den Neuen Markt

Baufinanzierer BHW sieht keine Auswirkungen für eigene Zweitplatzierung
Sex-Firma verschreckt den Neuen Markt

Die erste Neuemission dieses Jahres scheiterte im letzten Moment. Am späten Sonntag Abend sagte der spanische Porno-Anbieter Private Media die für Montag geplante Notierung am Neuen Markt ab. Grundsätzlich hält das bereits an der Nasdaq gelistete Unternehmen allerdings an seinen Plänen für ein Zweitlisting fest.

FRANKFURT/M. Begründet wurde der Rückzieher mit dem schlechten Börsenumfeld. Insbesondere in Deutschland blieb die Nachfrage nach den Sex-Aktien nach Firmenangaben unter den Erwartungen. "Private Media war der richtige Kandidat zum falschen Zeitpunkt", glaubt Jochen Großmann, beim Konsortialführer Commerzbank für das Emissionsgeschäft verantwortlich.

Rückschlag für den Neuen Markt

Die Verschiebung ist ein herber Rückschlag für den Neuen Markt. Private wäre der erste Neuling nach einer mehrmonatigen Durstrecke bei Neuemissionen gewesen. Unter dem Eindruck des Kurseinbruchs an den Aktienmärkten wagten in Deutschland im vergangenen Jahr gerade einmal 20 Unternehmen den Sprung an die Börse. Private wurde nach der langen Pause eine wichtige Signalwirkung für die Wende zum Positiven zugesprochen. Nun erhielten die Hoffnungen auf eine Belebung des Emissionsgeschäfts einen Dämpfer. "Es zeigt sich, dass das Umfeld für Börsengänge weiterhin schwierig ist", meint Michael Bednar, Managing Director bei UBS Warburg in Frankfurt.

Dabei schien es zunächst so, als erfüllten die Spanier die von Experten angemahnten Qualitätsansprüche, die dem Neuen Markt wieder zu positiven Schlagzeilen verhelfen sollten. Das Unternehmen besitzt ein solides Geschäftsmodell und schreibt schwarze Zahlen. Allerdings überschattete die Drohung einer möglichen Strafe von 6 Mill. wegen der steuerlichen Behandlung einer auf Gibraltar ansässigen Tochterfirma die Platzierung. Negativ vermerkten manche Investoren zudem, dass es sich "nur" um ein Zweitlisting und nicht um einen echten Börsengang handelte. "Das Unternehmen war nicht das, was wir uns am Neuen Markt erhofft hatten", moniert daher Karl Fickel, Fondsmanager bei der auf Nebenwerte spezialisierten Vermögensberatung Lupus Alpha.

Nächstes Börsendebut lässt auf sich warten

Ebenso wie andere Experten geht Fickel nun davon aus, dass bis zum nächsten Börsendebüt einige Monate ins Land gehen werden. Anleger und Emittenten würden jetzt erst einmal die bis März laufende Berichtssaison abwarten. Sollten die Jahresabschlüsse und die Ausblicke der Unternehmen düster ausfallen, "wird sich vor April kein Börsenkandidat mehr herauswagen", sagt Fickel. Schon werden auch die Erwartungen für das gesamte Jahr heruntergeschraubt. Die Fondsgesellschaft Union Investment beispielsweise erklärte am Montag auf Anfrage, sie rechne mit etwa zwei Dutzend Börsengängen in diesem Jahr. Noch vor wenigen Wochen gingen manche Experten von 40 bis 50 Emissionen aus.

Die spanische Sex-Firma ist im übrigen bereits das zweite Unternehmen in diesem Jahr, dass den Zeitplan für den Börsengang nicht einhalten kann. Vor einigen Tagen hatte bereits der Stromversorger EnBW seine ursprünglich für Mai geplante Platzierung verschoben. Allerdings sehen Kapitalmarktkreise die Entscheidung bei EnBW eher durch unternehmensinterne Faktoren bedingt.

T-Mobile wahrscheinlich unbeeinträchtigt

Ohnehin lässt die Emission von Private Media mit einem Volumen von gerade einmal 50 Mill. nach Ansicht von Investmentbanker kaum Rückschlüsse auf die Erfolgschancen der für dieses Jahr anvisierten großen Börsengänge zu. "Man kann Private Media nicht als pars pro toto für das Emissionsgeschäft, insbesondere nicht für Großemissionen, ansehen", betont etwa Michael Bednar. Dies gilt nach Ansicht von Experten auch für den geplanten Börsengang von T-Mobile. Telekom-Chef Ron Sommer hält die Platzierung der Mobilfunksparte des Konzerns noch im Juni für möglich. Eine endgültige Entscheidung über den Terminplan soll spätestens im März fallen, sagte Sommer dem Handelsblatt. Auch der im MDax geführte Finanzdienstleister BHW, der bis Mitte Februar Aktien im Wert von 1,5 Mrd. platzieren will, erwartet nach Angaben eines Sprecher "keine Auswirkungen" auf die eigene Emission.

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