Bauindustrie vorsichtig
Deutsche Firmen verteidigen ihre Interessen am Golf

Deutsche Unternehmen rechnen sich wenig Chancen aus, vom Wiederaufbau im Irak zu profitieren.

DÜSSELDORF. Deutsche Unternehmen rechnen sich wenig Chancen aus, vom Wiederaufbau im Irak zu profitieren. "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um über Geschäfte zu reden, die erst nach Ende des Krieges abgeschlossen werden können", sagte Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Die großen deutschen Baukonzerne hoffen zumindest, dass der Wiederaufbau in "geordnete Ausschreibungsbahnen" gelenkt und nicht nur amerikanische Firmen ausgewählt werden. Dann hätten deutsche Firmen ihre Chance im internationalen Wettbewerb, zumal sie bis in die 80er-Jahre hinein im arabischen Raum sehr aktiv waren. Damals habe das Auftragsvolumen aus der Opec-Region bei mehr als 10 Mrd. DM gelegen, erinnert der Hauptverband.

Der Wiederaufbau des Iraks wird nach internationalen Schätzungen zwischen 25 Mrd. und 100 Mrd. $ kosten. Die Uno gehen von Wiederaufbaukosten von 30 Mrd. $ über drei Jahre aus. Es müssen dabei nicht nur die Kriegsschäden beseitigt werden, die gesamte Infrastruktur des Landes gilt als sanierungsbedürftig. So stehen Kraftwerke und Wasserversorgung, Autobahnen, Krankenhäuser und Schulen zur Erneuerung an. International wächst die Sorge, dass die US-Regierung ausländische Unternehmen hierbei übervorteilt.

In der Telekommunikation gibt es erste Hinweise darauf, dass für den Aufbau des irakischen Mobilfunknetzes das CDMA-System bevorzugt werden könnte. Eine solche Entscheidung würde europäische Mobilnetz-Hersteller wie Siemens, Nokia und Ericsson benachteiligen, da sie hauptsächlich mit dem weltweit sehr viel stärker verbreiteten GSM-Standard arbeiten. Analysten tun sich schwer damit zu schätzen, wie teuer der Wiederaufbau der Telekommunikation wird. Auf jeden Fall müssten Milliarden investiert werden, sagt Peter Kjeldsen, Analyst bei der Marktforscher von Gartner. Denn bisher sei der Irak mit Blick auf die Telekommunikation "völlig unterentwickelt."

Der Anlagenbau macht sich keine großen Hoffnungen auf ein dickes Auftragspolster aus dem Irak - schon in der Vergangenheit habe es keine größeren wirtschaftlichen Beziehungen mit dem arabischen Land gegeben, sagt Thomas Waldmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Maschinenbau-Verband VDMA. Wichtiger sind für die deutschen Unternehmen Länder wie Saudi Arabien, Iran und die Emirate.

Für die deutsche Wirtschaft ist die gesamte Golf-Region eines der am stärksten wachsenden Absatzgebiete. Zwar ist der Export noch immer vom Hoch der 80er-Jahre entfernt, als rund 7,5% aller Ausfuhren in den arabischen Raum gingen. Doch die Exporte klettern kontinuierlich: In den Nahen und Mittleren Osten einschließlich Israel und Iran betrugen sie in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres rund 14 Mrd. Euro und damit 1 Mrd. Euro mehr als im Vergleichszeitraum 2001. Der Zuwachs geht dabei auf Saudi-Arabien (+18 %), Iran (+16 %) und die Vereinigten Arabischen Emiraten (+6,2 %) zurück.

Auch andere Unternehmen versprechen sich mehr Aufträge aus der Region. Ein Sprecher des Elektro-Konzerns ABB bezeichnete es als vorstellbar, dass ABB als Schweizer und internationaler Konzern Vorteile in der Region gegenüber US-Konkurrenten haben werde - weil arabische Länder auf Distanz zu den USA gehen könnten.

ABB hatte auch während des Irak-Embargos Stromverteilungsanlagen ins Land geliefert, die Kölner Firma Deutz Motoren verkaufte Notstrom-Aggregate oder Baumaschinen. "Der Irak hat immensen Nachholbedarf", heißt es bei Deutz. Wenn die Politik es erlaube und die Finanzierung stimme, wolle das Unternehmen "dranbleiben."

Mitarbeit: Wolfgang Gillmann, Axel Granzow, Stefan Menzel, Katharina Slodczyk, Helmut Steuer und Thomas Wiede.

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