Baukonjunktur im Inland bleibt schlecht
Kapazitätsabbau kein Heilmittel

Die Hiobsbotschaften über die lahmende inländische Baukonjunktur nehmen kein Ende. Erneut meldete gestern der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie einen Einbruch bei den Auftragseingängen, die in den ersten zwei Monaten 2002 um real 5 (Vj.: 8,1) % zurückgegangen sind.

 

"Damit hat sich die Hoffnung auf eine Trendwende nicht erfüllt", kommentierte der Geschäftsführer des Hauptverbandes, Heiko Stiepelmann, die Lage am Bau. Für das Gesamtjahr 2001 sprach er von einem Minus von real 5,1 % (Vorjahr: 9).

Seit sieben Jahren hält die Rezession am Bau nun schon an. Ihr prominentestes Opfer ist der 1999 ins Schlingern geratene Baukonzern Philipp Holzmann. Für den Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro, der bis heute nicht verdaut ist, wurde - neben dem Missmanagement - das Inlandsgeschäft verantwortlich gemacht. 1996 hatten die Frankfurter noch schwarze Zahlen geschrieben.

Den Kopf aus der Schlinge versucht derzeit auch die Walter Bau-AG zu ziehen, die 2001 knapp 77 % ihrer Gesamtleistung von 3,9 Mill. Euro im Inland erwirtschaftete. Eine umfassende Restrukturierung und die Bündelung der Kräfte sollen den Augsburgern wieder schwarze Zahlen bescheren. Derzeit gehen fast 30 % des Jahresfehlbetrages von 240 Mill. Euro auf das Konto des schlechten Inlandsgeschäftes. Vorstandschef Hans-Joachim Wolff bleibt für die Zukunft pessimistisch. "Die erhoffte Trendwende bei der inländischen Baukonjunktur wird auch in diesem Jahr nicht eintreten", ist er überzeugt und ergänzt: "Trotz der allmählichen Belebung im westdeutschen Wirtschafts- und öffentlichen Bau gehen wir erneut von einem Rückgang der Bauproduktion im Inland aus."

Hohe Verluste im deutschen Baugeschäft von mehr als 150 Mill. Euro drückten auch das Vorsteuerergebnis des Branchenriesen Hochtief AG auf 78 Mill. Euro (Vj.: 205). Obgleich die Essener nur 18 % ihrer Bauleistung von 13,4 Mrd. Euro im Inland erbringen, macht Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel ausschließlich die "schwierige Situation im Inland" für den Ergebniseinbruch verantwortlich.

Einzige Ausnahme unter den Bauriesen ist Bilfinger Berger. Die Mannheimer, die 2001 etwa 40 % ihrer Bauleistung von 4,6 Mill. Euro im Inland erbrachten, erzielten ein positives Ergebnis - auch im Inland.

Ein Weg aus diesem Dilemma wird von vielen Experten in einem radikalen Abbau der Überkapazitäten am Bau gesehen. Diese Forderung ist nach Ansicht von Stiepelmann jedoch kaum realisierbar. "Unabhängig, ob Philipp Holzmann liquidiert oder übernommen wird, werden in Deutschland dadurch keine Kapazitäten abgebaut", erläutert er. Seit 1995 sei in Deutschland die Zahl der Beschäftigten bereits um 450 000 gesunken - die Lage am Bau jedoch unverändert. Der Grund: "Jeder Bauherr kann sich heute ohne Probleme europaweit mit Niedriglohnkräften eindecken", erläutert Stiepelmann. Die einzige Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, sieht er in der Einführung eine Qualifizierungssystems. Dies könne den Markteintritt über Qualifizierungsnachweise in den Bereichen Fachkunde, Leistungsfähigkeit oder Zuverlässigkeit regulieren.

Quelle: Handelsblatt

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