Baukonzern benötigt dringend frisches Geld
Holzmann-Perlen sind für guten Preis zu haben

Der Insolvenzverwalter will versuchen, den Betrieb bei Holzmann weiterzuführen. Allerdings ist ein Verkauf von Konzernteilen durchaus möglich. Das ruft die Konkurrenz auf den Plan. Neben Bilfinger + Berger und Strabag hat auch Hochtief grundsätzliches Interesse an einzelnen Bereichen des Baukonzerns angemeldet.

jkn/hz FRANKFURT/M. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Philipp Ottmar Hermann, will versuchen, dem Baukonzern eine längerfristige Perspektive zu geben. "Jedes Insolvenzverfahren hat die Chance auf Fortführung des Unternehmens. Die wollen wir suchen", erklärte der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann am Wochenende in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Gleichzeitig betonte er allerdings seine Bereitschaft, Unternehmensteile zu verkaufen: "Wenn wir ein gutes Angebot erhalten, können wir nicht warten, bis das Insolvenzverfahren eröffnet ist", sagte Hermann.

Damit steigen die Chancen der Konkurrenz, die Perlen des Baukonzerns übernehmen zu können. Neben Bilfinger + Berger hat auch Hochtief grundsätzliches Interesse signalisiert. Wie zu hören ist, schauen beide Konzerne vor allem auf das US-Geschäft von Holzmann. Dagegen interessiert sich Strabag für die Straßenbautochter Deutsche Asphalt. Er habe bis jetzt allerdings noch keine Angebote erhalten, betonte der Insolvenzverwalter.

Als vordringliche Aufgabe bezeichnete Hermann die Beschaffung neuer Kredite. "Wir brauchen frisches Geld, sonst droht die unkontrollierte Zerschlagung", erklärte er, ohne eine Summe zu nennen. Erste Gespräche mit den Banken habe es bereits gegeben. "Ich bin guten Mutes. Es waren sehr konstruktive Gespräche", sagte Hermann. Das träfe auch auf die Banken zu, die gegen die vorgeschlagene Sanierung waren. Mit der Commerzbank, der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank hatten sich drei der 17 Holzmann-Banken gegen das vorgelegte Rettungskonzept ausgesprochen.

Große Probleme sieht Hermann dagegen auf die Subunternehmer zukommen. "Die Gefahr von Anschlusskonkursen ist selbstverständlich gegeben", sagte er. Deshalb würden Gespräche mit allen Beteiligten geführt, um die fälligen Zahlungen zu ermöglichen.

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) befürchtet, dass viele Handwerksbetriebe durch die Holzmann-Pleite unverschuldet in Existenznot geraten könnten. Betroffen sind nach seiner Einschätzung bis zu 2 000 mittelständische Zulieferer.

Da der Baukonzern mit vielen Subunternehmer-"Ketten" gearbeitet hat, erwarten Experten, dass einige hundert Handwerksbetriebe Forderungen an Holzmann haben. Damit die Holzmann-Pleite nicht auch gesunde mittelständische Baubetriebe in den Abgrund stürzt, müsse umgehend gehandelt werden, forderte Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbandes. Er verwies auf die schnelle Hilfe nach dem Ende des Bauunternehmers Jürgen Schneider.

Auf solche Hilfen wollen viele Subunternehmer von Holzmann aber offensichtlich nicht warten. Sie begannen am Wochenende damit, Material und Gerät von den Holzmann-Baustellen abzuziehen. Dadurch gerieten die Umbauarbeiten am Leipziger Zentralstadion ins Stocken. Zudem kündigte die Landesregierung Thüringen Holzmann den Vertrag für den fast fertigen Neubau des Landtags.

Weitgehend normal lief dagegen der Betrieb auf den Großbaustellen, wo Holzmann in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Baukonzernen zusammenarbeitet. Über die so genannte gesamtschuldnerische Haftung sei vertraglich geregelt, dass beim Ausscheiden eines Partners die anderen dessen Anteil übernehmen, hieß es bei Hochtief, Bilfinger + Berger sowie Strabag übereinstimmend.

Unterdessen riefen die Holzmann-Mitarbeiter erneut Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Hilfe. In einem Brief erinnerten sie den Kanzler an sein Wort, das er den "Holzmännern" vor gut zwei Jahren gegeben hatte. Damals hatte Schröder die Rettung des Konzerns ermöglicht. "Jeder der etwas zur Sanierung tun will, ist herzlich eingeladen. Ich hänge nicht an meinem Job", sagte Insolvenzverwalter Hermann. Allerdings stehen die Chancen auf eine erneute Initiative der Regierung schlecht. Das Kanzleramt erklärte, es sähe derzeit keine Möglichkeiten für eine "finanzielle Hilfe".

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