Baukonzern will in den USA aus eigener Kraft expandieren
Bilfinger begräbt Zukaufpläne in Amerika

Bilfinger Berger setzt auf ein regional breit gestreutes Geschäft. Allerdings sind Zukäufe in den USA für den Baukonzern aktuell kein Thema mehr. Vorstandschef Herbert Bodner will in den USA vielmehr aus eigener Kraft ein neues Standbein im Bereich Verkehrs-Infrastruktur aufbauen.

MANNHEIM. Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger AG hat seine Akquisitionspläne in den USA ad acta gelegt. "Wir mussten feststellen, dass es keinen geeigneten Kandidaten gab. Entweder waren die Unternehmen unverkäuflich oder marode", sagte Vorstandssprecher Herbert Bodner im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bilfinger werde in den USA jetzt aus eigener Kraft im Bereich Infrastruktur expandieren. Bodner: ."Wir haben bereits ein Team zusammengezogen".

Bilfinger ist in den USA über die Tochter Fru-Con vertreten, die im Industriebau tätig ist. Mit der Sparte Verkehrs-Infrastruktur will Bodner ein weiteres Standbein in Amerika schaffen. Dabei schielt er auf das Infrastruktur-Programm der US-Regierung, das ein Volumen von gut 170 Mrd. Dollar hat. "Wir werden uns hier positionieren", sagt Bodner.

Analysten begrüßen die Pläne. "Durch das Regierungsprogramm ist dies ein Wachstumsmarkt, der konjunkturunabhängig ist", sagte Marcus Schmitz von Hauck & Aufhäuser. Eine Expansion aus eigener Kraft werde allerdings langwieriger sein als ein Zukauf. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis das im Ergebnis zu spüren sein wird", so Schmitz.

Bodner bezeichnete den US-Markt als "erstaunlich stabil". Zwar seien einzelne Sparten von der Konjunkturschwäche betroffen. Dagegen würden andere wie etwa der Kraftwerksbau boomen. "Unter dem Strich verzeichnen wir in den USA Zuwächse", sagte der Bilfinger-Chef. Dagegen sieht er Australien in einer Rezessionsphase. Einige privatfinanzierte Straßenprojekte würden sich verzögern, Umsatz- und Ergebnis leicht zurückgehen. "Dort backen wir zunächst etwas kleinere Brötchen, auch wenn es sicher weiterhin einige schöne Projekte geben wird", sagte Bodner.

Diverzifizierung zahlt sich aus

Umso mehr zahle sich im Blick auf die weltweite Konjunkturschwäche jetzt aus, dass der Konzern regional diversifiziert sei. So kurbele der hohe Ölpreis die Nachfrage in den Ölexportstaaten wie Nigeria oder Libyen. Positiv wertet Bodner auch die Vergabe der olympischen Spiele nach China: "Wir sind dort über ein Joint-venture gut positioniert und versprechen uns schon einige Aufträge, auch wenn das noch Zukunftsmusik ist".

Im Inland erwartet Bodner nach zuletzt roten Zahlen wieder ein positives Ergebnis erreichen zu können. "Wir verlagern unsere Kapazitäten dorthin, wo die Marktkonditionen besser sind, so zum Beispiel aus den Neuen Bundesländern in das Rhein-Main-Gebiet", erklärte Bodner.

Große Hoffnungen verbindet der Bilfinger-Chef mit dem Schlagwort "Packaging". Dabei bündelt Bilfinger die Interessen aller Beteiligten am Bau, vom Kunden über den Investor bis hin zum Mieter. In Australien kann der Baukonzern erste Erfolge mit "Packaging" vorweisen. "Das ist ein Modell, für das es auch in Deutschland einen Markt gibt. Hier haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, das kann ein Mittelständler nicht bieten", glaubt der Bilfinger-Chef. Allerdings sei es ein langwieriger Prozess: "Wir müssen unsere Mitarbeiter sensibilisieren, nicht nur auf das einzelne Projekt zu schauen, sondern auf die gesamten Bedürfnisse des Kunden".

Zurückhaltend äußerte sich der Manager zum Thema Buderus. Bilfinger hält knapp 30 % an dem Mischkonzern und will mit dem designierten Vorstandschef Uwe Lüders Gespräche über einen Ausbau der Beteiligung oder eine Zusammenarbeit aufnehmen. Bislang war dies am Widerstand des amtierenden Buderus-Chefs Hans-Ulrich Plaul gescheitert. Bilfinger wolle einen neuen Anlauf nehmen, in aller Sachlichkeit. Bodner: "Wir haben uns mittlerweile eine Aktienposition aufgebaut, die nicht mehr wegzudividieren ist. Deshalb gibt es auch keinen zeitlichen Druck".

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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