Baumarkt-Kette plant Investitionen von einer Milliarde Euro bis 2012
Obi greift nach der Marktführerschaft in China

Im Gefolge einer Delegation des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma betreibt der Baumarkt-Gründer derzeit im Reich der Mitte Lobbyarbeit für seine ehrgeizigen Expansionspläne.

PEKING. Rund 1 Mrd. Euro will Maus in den kommenden zehn Jahren in China investieren, um aus den vier existierenden Obi-Märkten - einer in Wuxi, zwei in Schanghai, einer in Nanjing - 100 zu machen. Maus reist seit 40 Jahren nach China. Wo Obi einst mit dem Einkauf von Schweinsborsten für Malerpinsel begann, kauft die Baumarktkette mittlerweile pro Jahr Waren im Wert von 250 Mill. Dollar für ihre europäischen Märkte ein.

Bis vor kurzem lautete das strategische Ziel von Europas zweitgrößter Baumarktkette in China noch vier Märkte pro Jahr. Doch das änderte sich, als vor sechs Wochen Obi gemeinsam mit Haier, Chinas führendem Hersteller von Haushaltsgeräten, ein 50:50-Joint-Venture unterschrieb, in das beide Partner zusammen 350 Mill. Euro einbringen wollen. Haier soll, so Maus, als "Shop-in-the-shop" Kühlschränke, Klimaanlagen und andere Haushaltsgeräte in den Obi-Märkten in China verkaufen. Die Regierung von Schanghai hat das JV nach Auskunft von Maus bereits genehmigt. Das grüne Licht der Zentralregierung erwartet er vor Abschluss des Generationswechsels in der politischen Führung bis März 2003.

Obi bezieht 80 % der verkauften Produkte in den vier chinesischen Märkten von lokalen Lieferanten. Das inländische Einkaufsvolumen im Reich der Mitte soll in den nächsten zwei Jahren verdoppelt werden. "Wir wollen unsere Grundidee und die Marke exportieren, aber eine chinesische Kultur haben", erläutert Maus das strategische Vorgehen in China. Die vier ersten Märkte liefen besser als geplant, sagt er, und hätten schon nach einem Jahr die Gewinnzone erreicht. Angepeilt sei eine Umsatzrendite von 5 % wie in den europäischen Märkten. Über 10 Jahre gerechnet soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital "mindestens 25 %" betragen.

Allein in den nächsten drei Jahren will Obi in China bis zu 600 Mill. Euro investieren. Für weitere Märkte in Qingdao - dem Standort von Haier - und Hangzhou laufen bereits Anträge. In Nanjing soll innerhalb eines Jahres ein zweiter Markt eröffnet werden. Das Potenzial schätzt er allein in der chinesischen Hauptstadt auf 30 Märkte. Derzeit werde mit dem nationalen olympischen Komitee von China gesprochen, weil Obi ein Hauptsponsor der Sommerspiele von 2008 werden will. "Dazu brauchen wir mindestens vier Standorte in Peking", bekräftigt Maus.

Die Vorbereitungen für die Expansion laufen auf Hochtouren. Am vergangenen Sonntag ging das neue Büro für Nordchina in Peking in Betrieb, kommende Woche folgt in Shenzhen das Büro für Südchina. Zudem stellte der Baumarkt in den vergangenen Tagen 15 neue Einkäufer für China ein. Derzeit beschäftigt das Unternehmen dort 1 200 Menschen. Die aufgelaufenen Investitionen betragen 300 Mill. Euro.

Von Chinas Obi-Zentrale in Schanghai aus sollen als nächstes Vietnam und Korea erschlossen werden. Ein Auge hat Maus auch auf Russland geworfen. Für Moskau und St. Petersburg gebe es konkrete Pläne. Maus ist beeindruckt von der Möbelkette Ikea, die in Moskau im ersten Jahr mehr als das Doppelte des erwarteten Umsatzes erzielte und ihren Markt zeitweise wegen Überfüllung schließen musste. Maus hat in den vergangenen Monaten öfter Moskau besucht. Ein lokaler Partner ist bereits gefunden. Wenn die laufenden Anträge genehmigt sind, sollen in Moskau innerhalb eines Jahres zwei Märkte realisiert werden.

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