Bauunternehmen
Global und bodenständig

Das Bielefelder Familienunternehmen Goldbeck hat für Nokia ein Werk in Rumänien gebaut, doch während das Bauunternehmen von dem 40 Mill. Euro schweren Auftrag profitiert, wurden in Bochum Arbeitsplätze gestrichen. Goldbeck macht mit der Globalisierung gute Geschäfte, lernt aber auch die Schattenseiten kennen.

DÜSSELDORF. Noch vor zwei Jahren fuhren die Einwohner des rumänischen Dörfchens Jucu mit dem Pferdekarren über staubige Pisten zur Arbeit. Mit der Beschaulichkeit ist es vorbei: Die Bagger kamen Anfang vergangenen Jahres und bauten auf der grünen Wiese den 159 Hektar großen Industriepark „Nokia Village“. Inzwischen wurden erste Volvo-Trucks gesichtet. Sie machen nicht nur die Pferde scheu. Der Ort in Siebenbürgen wurde über Nacht zum Schauplatz der Globalisierung. Das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck hat dort für Nokia ein neues Werk für 3 500 Beschäftigte errichtet. Seit Februar laufen die ersten Handys „Made in Romania“ vom Band. Die Finnen haben Anfang des Jahres die Produktion vom „teuren“ Bochum ins „billigere“ Rumänien verlagert. Während Goldbeck von dem 40 Mill. Euro schweren Bauauftrag profitiert, wurden in Bochum mit einem Federstrich einige tausend Arbeitsplätze rund um das Nokia-Werk vernichtet, obwohl das Werk schwarze Zahlen schrieb. Aus einer Entscheidung am grünen Tisch zur Optimierung der Kosten im fernen Helsinki wurde ein Politikum. Bochum stand Kopf, Politiker gaben sich die Klinke in die Hand.

Erst 2007 hatte Jürgen Rüttgers (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dem Gründer des Familienunternehmens, Ortwin Goldbeck, das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für wertorientiertes Unternehmertum verliehen. In fast vier Jahrzehnten habe er aus einem kleinen Stahlbaubetrieb eine international agierende Unternehmensgruppe geformt, lobte Rüttgers. Dabei habe Ortwin Goldbeck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Mäzen seiner Heimatregion, nie die Bodenhaftung oder den Blick für den einzelnen Mitarbeiter verloren. Ebenso wenig zufällig sei daher die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres in Ostwestfalen-Lippe“ 2003.

Nun mimte derselbe Rüttgers kein Jahr später den Empörten. Er kritisierte scharf, dass durch Abwandern und Jobvernichtung massiv Angst verbreitet, der Aufschwung gebremst und die gesamte Konjunktur gestört werde. Goldbeck fühlte sich an den Pranger gestellt. Dabei hatte sich der Mittelständler gerade erst aufgemacht, die Auslandsmärkte zu erschließen. „Das Nokia-Werk in Rumänien ist eines der internationalen Projekte, von denen wir in Bielefeld leben und die die Arbeitsplätze in Bielefeld sichern“, verteidigte ein Goldbeck-Sprecher den Auslandsauftrag. Denn in Bielefeld produziert Goldbeck die Stahlbau-Fertigteile für alle Baustellen im In- und Ausland.

„Wir haben uns in der internationalen Ausschreibung durchgesetzt, weil wir preislich wettbewerbsfähig sind“, urteilt Geschäftsführer Jörg-Uwe Goldbeck. Er ist der älteste Sohn des Firmengründers, dessen Nachfolger an der Spitze des Unternehmens. Davon, dass das Bochumer Werk geschlossen werden soll, habe er erst aus der Presse erfahren. Nokia habe den Auftrag mit einer Kapazitätserweiterung begründet. Von einem Imageschaden könne keine Rede sein, wehrte der Sprecher ab. Das Unternehmen tue sich aber schwer, räumte er ein, sich gegenüber den betroffenen Nokia-Beschäftigten zu rechtfertigen.

Goldbeck ist Generalunternehmer und baute das Werk in Rumänien mit eigenen Monteuren sowie in Deutschland vorgefertigten Bauteilen. Es wurde schlüsselfertig in nur einem halben Jahr realisiert inklusive der Gebäudetechnik. Unterstützung vom rumänischen Staat soll keine geflossen sein. Rumänische Bauunternehmen kamen nicht zum Zuge.

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