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Bayer 04 wieder Aushängeschild in Europa

Bayer 04 Leverkusen ist mit einem Paukenschlag wieder zum Aushängeschild des deutschen Fußballs in Europa geworden.

dpa LEVERKUSEN. Bayer 04 Leverkusen ist mit einem Paukenschlag wieder zum Aushängeschild des deutschen Fußballs in Europa geworden.

Während Werder Bremen (0:2 bei Inter Mailand) patzte und Bayern München (1:0 bei Maccabi Tel Aviv) nur eine minimale Leistung bot, demontierten die Bayer-Profis in einer Weltklasse-Partie die "Außerirdischen" von Real Madrid mit 3:0. "Wir sind nicht galaktisch, sonst hätten wir bei Mainz 05 gewonnen", mahnte Nationalspieler Bernd Schneider trotz der triumphalen Champions-League-Rückkehr. Denn der Stachel des Bundesliga-Debakels in Mainz (0:2) saß auch in der Stunde des sensationellen Erfolgs noch tief.

"Wenn wir so weiter spielen, kommen wir in die zweite Runde der Champions League und haben in der Bundesliga keine Probleme mehr", meinte Bayer-Torjäger Dimitar Berbatow, der nach Bilderbuch-Treffern von Jacek Krzynowek (39.) und Franca (50.) den Endstand (55.) markierte. Nächster Gegner in der "Königsklasse" ist am 28. September Dynamo Kiew, dann kommt AS Rom (19. Oktober). Nach der Attacke auf Schiedsrichter Anders Frisk und dem Spielabbruch gegen Kiew droht dem Team von Rudi Völler allerdings eine Platzsperre.

Nach der Fußball-Gala gegen den unterirdisch spielenden neunmaligen Europapokalsieger Madrid wurden die Leverkusener mit Lob wie lange nicht mehr überschüttet. "Das hat einen Riesenspaß gemacht", sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. "Bayer hat den Madrilenen keinen Platz gelassen, das war beeindruckend." Unter positivem Schock stand nach dem Abpfiff 04-Chef Wolfgang Holzhäuser: "Das ist schwer zu begreifen, dass man so ein Fußballspiel erleben durfte."

Ähnliche Glanztaten vollbrachten die Leverkusener in der Champions League 2001/2002, als sie erst im Endspiel von Real Madrid (1:2) gestoppt wurden. "Wir haben Klasse gespielt, müssen den Ball aber schön flach halten. Das kann sich alles schnell in die andere Richtung drehen", warnte Kapitän Carsten Ramelow, der mit Schneider, Torwart Jörg Butt und Diego Placente aus der Final-Elf von Glasgow übrig geblieben ist. Nicht vergessen ist, dass Bayer danach fast in die 2. Liga abgestiegen wäre und ein Jahr aus dem europäischen Fußball verschwand.

Beeindruckt vom Spielrausch seiner Profis gab selbst Trainer Klaus Augenthaler seine Zurückhaltung auf, tanzte an der Außenlinie und steckte neue Ziele. "Wir wollen in der Bundesliga nicht nur unter die ersten Fünf kommen, sondern besser sein als Platz drei", kündigte der Ex-Nationalspieler an. Augenthaler wäre seinem Ruf als ewiger Grantler aber nicht gerecht geworden, wenn er nicht doch ein Haar in der Suppe gefunden hätte: "Bis zur Pause hätte es schon 3:0 oder 4:1 stehen müssen, das ist meine einzige Kritik."

Beherzigt haben die Bayer-Akteure hingegen seine Marschroute, David Beckham, Figo, Zinedine Zidane und Co. die Spiellaune durch bedingungslosen Einsatz zu verderben. "Wir wussten, dass es Superstars nicht mögen, wenn man ihnen auf die Füße tritt", feixte Paul Freier. Ob die Erkenntnis, dass nur mit Leidenschaft und Laufbereitschaft der Erfolg zur Konstante wird, nicht blanke Theorie bleibt, können die Bayer-Akteure am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg beweisen. "Ich hoffe, dass sie den Schalter wieder umlegen können", sagte Augenthaler vor der Partie gegen seinen Ex-Club.

Mit Entsetzen wurde die Demontage der Weltauswahl aus Madrid in der Heimat aufgenommen. "Horror!", schrieb die spanische Zeitung "Marca" nach der desaströsen Leistung groß auf ihr Titelblatt. Für "As" war es nicht nur eine sportliche Niederlage: "Real Madrid hat mehr als ein Spiel verloren. Der Verein hat einen großen Teil seines Rufes, seines galaktischen Ruhms, seines Prestiges verloren."

Dabei hatte Chefcoach José Antonio Camacho nach den ersten beiden Meisterschaftsspielen noch versucht, seine Stars mit einem Donnerwetter wachzurütteln. "Ich war offensichtlich nicht in der Lage, der Mannschaft zu vermitteln, worum es geht", stellte Camacho ratlos fest. Erst als er nacheinander Zidane, Figo und Ronaldo vom Platz holte, wurde das Real-Spiel etwas ambitionierter. "Die ersten 60 Minuten hat uns Bayer Leverkusen überrollt, da habe ich meine Mannschaft nicht gesehen", lautete das vernichtende Urteil Camachos.

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