Bayer-Aktie auf tiefstem Stand seit fast zehn Jahren
Zahl der Lipobay-Klagen steigt weiter

Die Aktie des Leverkusener Bayer-Konzerns ist am Mittwoch angesichst der zunehmenden Zahl von Klagen im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay auf den tiefsten Stand seit fast zehn Jahren gesunken.

Reuters LEVERKUSEN. Zeitweise sanken die Papiere um knapp vier Prozent auf 15 Euro. Am frühen Nachmittag lag der Anteilsschein noch mit 2,2 Prozent im Minus bei 15,24 Euro. Seit Jahresbeginn sind die Aktien damit um rund 25 Prozent gefallen. Der Dax selbst hat im gleichen Zeitraum lediglich neun Prozent eingebüßt. Im Vergleich zum Rekordhoch von 58 Euro aus dem Januar 2001 haben die Bayer-Titel sogar knapp drei Viertel ihres Wertes verloren. Gleichzeitig schrumpfte die Börsenkapitalisierung um mehr als 31 Milliarden Euro auf gegenwärtig etwa 11,1 Milliarden Euro. Vor weniger als drei Monaten hatten Analysten den Wert der Pharmasparte alleine noch mit knapp 10 Milliarden Euro bewertet.

Der Chemie- und Pharmakonzern hatte am Mittwoch auf seiner Internetseite mitgeteilt, es gebe mittlerweile rund 7800 Klagen und 420 geschlossene Vergleiche im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay. Bislang waren 7400 Klagen und 400 bereits geschlossene Vergleiche bekannt. Bayer sehe nach wie vor keine Notwendigkeit, Rückstellungen zu bilden, sagte ein Sprecher. Bayer hatte das Medikament 2001 vom Markt genommen, weil es im Verdacht steht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können.

Insgesamt werden 100 Todesfälle mit Lipobay in Zusammenhang gebracht. Mit der Rücknahme des umsatzstarken Präparats gingen Bayer für die Folgejahre Umsätze und Gewinne in Milliardenhöhe verloren. Mittlerweile ist der Konzern für seine angeschlagene Pharmasparte auf der Suche nach einem Partner. Während Lipobay im Hintergrund drohe, würden die Aktien zu kämpfen haben, sagte Merrill-Lynch-Analyst James Knight. "Wenn man Baycol (Lipobay) ignoriert, ist der implizite Wert der Pharmasparte sehr niedrig. Wenn man es einbezieht, werden die Bewertungen unsicher", fügte er hinzu.

Aus Branchenkreisen erfuhr Reuters im vergangenen Monat, dass eine Übereinkunft mit Bezug auf Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Lipobay-Rückruf einen entscheidenden Einfluss auf die Anstrengungen der Leverkusener bei der Partnersuche haben wird. Die Summe an Verbindlichkeiten könnte deutlich ausfallen. Nach früheren Angaben von Analysten könnte die Zahl der Klagen auf bis zu 15.000 steigen. Das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt schätzt, dass sich die Kosten für Bayer dabei maximal auf 1,6 Milliarden US-Dollar belaufen könnten.

Eine Reihe von Firmen, die als mögliche Pharma-Partner gehandelt wurden, haben mittlerweile abgewunken. Zuletzt betonte Aventis-Chef Igor Landau, kein Interesse an einer Annäherung zu haben. Zuvor hatten bereits die Berliner Schering AG, die niederländische Akzo Nobel, die dänische Lundbeck sowie Boehringer Ingelheim ihr Desinteresse bekundet.

Als aussichtsreichsten Kandidaten hatten Branchenkreise im vergangenen Jahr den Pharmakonzern GlaxoSmithKline ausgemacht. Das Interesse der Briten scheint aber mittlerweile etwas nachgelassen zu haben.

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