Bayer hat bereits Verkaufsangebot erhalten
Aventis bevorzugt offenbar den Verkauf des Pflanzenschutz-Geschäftes

Bei der deutsch-französischen Aventis SA zeichnet sich ab, dass der Pharmakonzern seine Landwirtschaftssparte nun doch verkauft und auf einen Börsengang des Geschäftsbereichs verzichtet. Dies verlautet sowohl aus Kreisen des Aventis-Managements als auch aus Branchenkreisen.

DÜSSELDORF. Der Konzern mit Sitz in Straßburg hat bereits Angebote zur Abgabe des Agrochemiegeschäfts an Konkurrenten verschickt. Eine definitive Entscheidung zwischen Verkauf und Börsengang ist aber laut einem Aventis-Sprecher noch nicht gefallen.

Derzeit lotet Aventis aus, wie viel der Konzern bei einem Verkauf des Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfts erlösen könnte - und welche Folgen ein Verkauf für Aventis Cropscience hätte. Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer bestätigte, dass er am Montag dieser Woche ein Verkaufsangebot von Aventis erhalten hat. Bayer prüfe das Angebot und könne sich vorstellen, Cropscience auch komplett zu übernehmen.

Neben Bayer sind die US-Chemiekonzerne Du Pont, Dow Chemical und Monsanto sowie die deutsche BASF AG am Kauf zumindest von Teilen der Sparte interessiert. Aventis hat vor wenigen Wochen die Trennung von seinem Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut angekündigt. Der Konzern positioniert sich damit als reiner Arzneimittelhersteller und gibt seine Life- Science-Strategie auf, bei der das Medikamente-Geschäft und die Agrochemie gebündelt werden.

Aventis beziffert den Wert von Cropscience auf 5,7 Milliarden Euro und pocht darauf, das Geschäft als Ganzes zu verkaufen. Doch gibt es kaum einen Wettbewerber, der die Sparte kartellrechtlich komplett behalten dürfte. "Nur bei einer Übernahme durch Du Pont dürfte es wenig kartellrechtliche Probleme geben", sagt Heinz Müller, Analyst bei der DG Bank. Denn die Branche der Pflanzenschutzhersteller ist bereits stark konzentriert: Die führenden sieben Unternehmen teilen sich rund 90% des Weltmarktes.

Bayer, der sechstgrößte Pflanzenschutzhersteller, hat seit längerem Interesse an Cropscience gezeigt, der Nummer zwei der Branche. Die Sparte würde das Produktportfolio des Leverkusener Konzerns hervorragend ergänzen, denn Aventis ist im Geschäft mit Unkrautvernichtungsmitteln stark, während Bayer dort schwach aufgestellt ist. Für global tätige Agrochemieunternehmen ist es wichtig, in allen Produktbereichen stark zu sein.

Bei einer kompletten Übernahme von Aventis Cropscience dürfte Bayer allerdings im Geschäft mit Insektiziden kartellrechtliche Probleme bekommen, denn in dem Geschäft ist Bayer bereits führend. Für Cropscience hätte es voraussichtlich zur Folge, dass das Insektizidgeschäft zumindest in großen Teilen weiterverkauft werden müsste. Auf eine solche Gelegenheit wartet die BASF AG, die im Insektizid-Geschäft noch Schwächen im eigenen Pflanzenschutzbereich sieht. BASF wäre nach Ansicht von Vorstandschef Jürgen Strube aber "schlecht beraten, Cropscience komplett zu übernehmen".

Trotz der vielen Kaufinteressenten will Analyst Heinz Müller nicht ausschließen, dass Aventis die Option Börsengang noch nicht aufgegeben hat. Zwar ist die Lage für Aktienemissionen derzeit schlecht. Doch zeige die Kursentwicklung bei den jüngst an die Börse gegangenen Agrochemiekonzernen Monsanto und Syngenta, dass ein Börsengang in der Branche durchaus erfolgreich sein kann.

Der Berliner Pharmakonzern Schering hält unterdessen daran fest, seinen 24-prozentigen Anteil an Cropscience vorerst nicht verkaufen zu wollen. Schering muss einem Verkauf des Unternehmens zustimmen, will ihn aber "nicht prinzipiell blockieren", sagte ein Unternehmenssprecher.

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