Bayer im Minus
Dax vor Greenspan-Rede kaum verändert

Die Erwartung einer Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan zur Konjunkturentwicklung hat die deutschen Aktienmärkte am Freitag weitgehend in Schach gehalten.

Reuters FRANKFURT. Investoren erhofften sich Händlern zufolge Hinweise über die weitere Zinspolitik der Notenbank und hielten sich im Vorfeld der Rede überwiegend mit Engagements zurück. Der Deutsche Aktienindex (Dax) pendelte über weite Strecken um seinen Vortagesschluss, wobei die Aktien von Bayer und Deutsche Telekom mit Kursverlusten von zeitweise mehr als drei Prozent herausragten. Fester notierten indes die Papiere von Infineon , die Börsianern zufolge unter anderem weiter von einer Hochstufung profitierten.

Das wichtigste deutsche Börsenbarometer Dax verzeichnete am späten Nachmittag einen moderaten Aufschlag von 0,2 % auf 5 241 Punkte. Der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax-50 stieg um 0,5 % auf 1 253 Punkte. Der Nebenwerte-Index MDax lag 0,45 % im Plus bei 4 377 Stellen. Der Dow Jones Euro-Stoxx-50 der größten europäischen Aktien legte 0,9 % zu.

In dem Kursverlauf der Börsen in New York spiegelte sich Marktteilnehmern zufolge ebenfalls Zurückhaltung der Anleger vor der Greenspan-Rede wider. Der Technologie-Index Nasdaq notierte rund 90 Minuten nach Eröffnung 0,3 % fester bei 2 053 Punkten. Der Industriewerte-Index Dow Jones gewann um 0,2 % auf 10 086 Zähler.

Händler sagten, das Interesse der Anleger richte sich auf die Rede Greenspans, der sich kurz vor 20 Uhr (MEZ) in San Francisco vor Firmenmanagern zur Lage der US-Konjunktur äußern wollte. "Auf Grund der jüngsten Konjunkturdaten dürfte er allerdings keine weiteren Enttäuschungen bringen, was den Zustand der Konjunktur betrifft", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Börsenmakler Nols. "Ob wir weitere Zinssenkungen sehen werden, ist schwer zu sagen, weil die jüngsten Daten nicht schlecht waren", fügte er hinzu. Einige Händler gehen ebenfalls davon aus, dass mit weiteren Zinssenkungen demnächst nicht zu rechnen sei. Da die Rede aber erst kurz vor Handelsschluss in Deutschland beginnen sollte, könnten die deutschen Titel erst am Montag reagieren.

Merkel-Entscheidung spielt keine Rolle

Der Verzicht der CDU-Parteivorsitzenden Angela Merkel auf eine Kanzlerkandidatur zu Gunsten des CSU-Chef Edmund Stoiber spiele am Markt dagegen keine Rolle, hieß es. Merkel hatte am Freitagnachmittag ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekannt gegeben und erklärt, sie habe sich am Morgen bei einem gemeinsamen Frühstück mit Stoiber darauf verständigt.

Zu den größten Verlierern im Markt gehörten die Aktien von Bayer . Ein Analyst sagte, offenbar sei die Gefahr einer Klage in den USA in Kombination mit dem bevorstehenden Ausscheiden des Bayer-Pharmachefs David Ebsworth verantwortlich für das Minus von 3,4 % auf 36,93 Euro. Dem Münchener Anwalt Michael Witti zufolge haben mit einer Sammelklage in den USA befasste Anwälte einen Weg gefunden, auch die Forderungen deutscher und anderer Geschädigter des wegen angeblich starker Nebenwirkungen vom Markt genommenen Medikaments Lipobay/Baycol einzubeziehen.

Die T-Aktie verbilligte sich um gut zwei Prozent auf 18,31 Euro. Händler machten das Zusammentreffen mehrerer Faktoren dafür verantwortlich. Neben dem von einer Zeitung am Freitag berichteten negativen Kapitalfluss belaste auch der anhaltende Verkauf von Telekom-Titeln durch frühere Voicestream-Aktionäre. Hinzu komme die Übernahme der restlichen Anteile am Softwarehaus Debis von Daimler-Chrysler für 4,6 Mrd. Euro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge erwirtschaftete die Telekom 2001 einen Free-Cash-Flow von minus 2,0 Mrd. Euro. Für 2002 rechne die Telekom sogar mit minus 2,7 Mrd. Euro, hieß es. Beide Nachrichten seien für Kenner des Unternehmens aber keine Überraschung, sagte ein Händler.

Favorit waren am Nachmittag die Aktien von Infineon , die sich um 3,6 % auf 25,91 Euro verteuerten. Händler verwiesen auf die Aufnahme der Titel in die "European Focus List" der Deutschen Bank am Donnerstag und die anhaltend gute Stimmung im Chipsektor.

Im MDax legten die Papiere von Beru um mehr als acht Prozent auf 55 Euro zu, nachdem der Autozulieferer den Erhalt eines Großauftrages aus den USA bekannt gegeben hatte.

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