Bayer-Kapitän in schweren Zeiten
Ramelow: Gas müssen alle geben

Sein Job gehört zur Zeit zu den schwierigsten in der Fußball-Bundesliga. Als Kapitän versucht Carsten Ramelow, das fast auf den Tabellen-Grund (Platz 15) gelaufene Schiff "Bayer 04 Leverkusen" wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

HB/dpa LEVERKUSEN. Um den Vizemeister flott zu machen, rackert er vorbildlich auf dem Rasen und steht seinen Mann, wenn nach Erklärungen für den fast unerklärbaren Fehlstart des Champions-League-Finalisten verlangt wird. "Ich stehe zu dieser Verantwortung. Doch der Kapitän kann das nicht allein richten", weiß der 28-Jährige und forderte vor der "Woche der Wahrheit" gegen Manchester United und Bayern München: "Ich stehe zu meiner Verantwortung, doch Gas müssen auch die anderen geben."

Für den Defensiv-Allrounder ist diese exponierte Rolle ungewohnt und auch ungewollt. Stets stand der mit Ulf Kirsten dienstälteste Bayer-Akteur, der seit sieben Jahren am Rhein spielt, im Schatten von Stars wie Michael Ballack, Zé Roberto oder Jens Nowotny, den er bis zu seiner voraussichtlichen Rückkehr Anfang nächsten Jahres als Spielführer vertritt. "Als Kapitän macht er seine Aufgabe gut, aber allein bekommt er es nicht gebügelt", lobt Bayer-Manager Reiner Calmund den Interims-Primus. Er weiß jedoch, dass ihm jenes Charisma fehlt, das Ballack oder Nowotny als Führungsspieler auszeichnet.

Während er in Leverkusener aber als fleißiger und effektiver, wegen seiner schnörkellosen Art unauffälliger Profi hoch geschätzt wird, stand er in seinen 31 Länderspielen nicht selten in der Kritik. Besonders nach dem WM-Qualikationsspiel im vergangenen Jahr gegen Finnland musste er ausgerechnet von seinem Ex-Trainer Berti Vogts Hiebe einstecken. "Drei Pässe nach links, drei Pässe nach rechts. Hauptsache, keine Fehler machen. Das ist zu wenig", hatte dieser Ramelow vorgeworfen. Der blonde Berliner setzte sich damals gegen diese Polemik zur Wehr: "Ich weiß, dass ich im Verein und in der Nationalelf immer mein Bestes gebe."

Anerkennung verschaffte sich Ramelow bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, wo er als Abwehrchef für den verletzten Jens Nowotny mit zum Finaleinzug beitrug. Allerdings lief auch dort nicht alles glatt für ihn: Nach der Gelb-Roten-Karte im Achtelfinale gegen Kamerun war er nicht nur für ein Spiel gesperrt, sondern wurde von DFB-Teamchef Rudi Völler auch im Viertelfinale gegen die USA noch auf die Bank verbannt. "Das Problem habe ich immer, dass ich leicht austauschbar bin", sagte er damals enttäuscht. Sogar den Abschied aus dem Nationalteam - sein Länderspieldebüt gab er am 10. Oktober 1998 gegen die Türkei - hatte er erwogen. Inzwischen ist aber die WM 2006 in Deutschland eines seiner großen Ziele.

Schließlich fehlt dem Vizeweltmeister in seiner Karriere, die 1987 bei der F-Jugend von Tasmania 73 in Berlin begann und ihn nach den ersten beiden Profi-Jahren bei Hertha BSC 1995 nach Leverkusen führte, noch ein großer Titel. Dafür ist er mit Bayer vier Mal Bundesliga-Zweiter geworden. Erinnern kann sich Ramelow aber auch noch an das Krisenjahr 1995/96, als Leverkusen nur um Haaresbreite dem Abstieg aus dem Oberhaus entronnen war. Und aus seiner Erfahrung von damals weiß er: "Wir müssen ruhig bleiben."

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