Bayer-Leverkusens-Manager hat gegenüber Uli Hoeneß erneut das Nachsehen
Reiner Calmund, Manager von Bayer 04 -Leverkusen

Er ist das Schwergewicht der Szene und bei der Bayer AG für die Abteilung Fußball verantwortlich. Vor seiner Arbeit hat die Konkurrenz Respekt - auch wenn es mit dem Meistertitel wieder nichts geworden ist.

Angesichts der enormen Leibesfülle wirft diesen Mann so schnell nichts um. Am Samstag aber war mal wieder einer jener Momente, in denen Reiner Calmund seinen Beruf verfluchte. Der Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen war von der Unberechenbarkeit des Sports unmittelbar betroffen und konnte seine Betroffenheit kaum verbergen. Am letzten Spieltag gab der rheinische Klub die sicher geglaubte Meisterschaft aus der Hand. Ausgerechnet in der Provinz, in Unterhaching. Ausgerechnet vor den Toren Münchens.

Der Jubel des FC Bayern aus dem nur 14 Kilometer entfernten Olympistadion war zwar nicht zu hören, doch mit der Schlappe zum Saisonausklang verlor nicht nur die Leverkusener Mannschaft. Bayern vor Bayer bedeutet auch: Uli Hoeneß vor Reiner Calmund. Der Vergleich der Leitenden Angestellten endete wiederum zu Gunsten des Müncheners, der zuletzt mit dem Titel "Manager des Jahres" dekoriert wurde.

Darauf kann Calmund wohl am ehesten verzichten. Der erste deutsche Meistertitel für seinen Klub, bei dem er 1975 in der Jugendabteilung begann und für den er nach eigenem Bekunden das Privatleben opferte, wäre dagegen der Lohn für all die Mühen des vergangenen Vierteljahrhunderts gewesen. "Mein Lebenswerk ist nicht zerstört, wir kommen wieder", sagte er am Samstag trotzig. Der Schmerz aber sitzt tief bei den Vertretern eines Vereins, der national wie international eine Rolle spielen will und dann im letzten Moment unter Haching leidet.

Calmund, der studierte Betriebswirt und erfahrene Krisenmanager, wird schneller als manch anderer bei Bayer in den Alltag zurückfinden. Er wird im Zweifelsfall auf die angeblich so bescheidenen Möglichkeiten in Leverkusen verweisen, so wie er es immer getan hat. "Wir haben nicht das wirtschaftliche Potenzial wie Bayern oder Dortmund. Das hier ist eine Kleinstadt im Ballungsgebiet, unsere Situation kann man nicht vergleichen mit denen der Großen", sagt der 51-Jährige.

Dabei weiß er ganz genau, dass er es im Kreise der Bundesliga-Manager leichter hat als die Mehrzahl seiner Kollegen. Die große Bayer AG im Rücken beschert ein gutes Gefühl, finanzielle Probleme sind von vornherein ausgeschlossen. Mit der Gründung der Bayer 04 Fußball- GmbH wurde die enge Bindung zum Konzern einerseits weiter gestärkt, mit der Öffnung für fremde Trikotsponsoren andererseits gelockert. Künftig werben die Bayer-Profis für Strom aus RWE-Produktion, nicht mehr für Aspirin, dem Blockbuster aus eigenem Hause.

Das ändert nichts daran, dass sich Calmund momentan wie ein Jäger des verlorenen Schatzes vorkommen muss. Irgendwo südlich des Weißwurst-Äquators ging das wertvolle Gut namens Meisterschale verloren, und dem Manager war gar nicht mehr nach flapsigen Sprüchen. Die beherrscht er, einmal in Fahrt gekommen, wie kein anderer in der Fußballbranche. Die zur Seriosität verpflichteten Bayer-Bosse lassen ihn gewähren, sie wissen seinen enormen Arbeitseinsatz zu schätzen. Und die doppelten Flugkosten des Fußball-Chefs, der wegen seines Umfangs schon mal zwei Plätze bucht, sind auch kein Problem.

Zu einem solchen aber könnte irgendwann das stete Nachsehen gegenüber den Bayern werden. Nicht unbedingt für Klub und Konzern, sondern vielmehr für den ehrgeizigen Calmund. Leibesfülle allein garantiert noch keine Standfestigkeit.

Kurzprofil
Funktion: Geschäftsführer
Geburtsdatum: 23.11.1948
Bei Bayer 04 seit: 1976
Erlernte Berufe: Außenhandelskaufmann, Betriebswirt
Hobby: gut essen

>> Website von Bayer 04 Leverkusen:

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