Bayer mit Elfer-Aufgebot
Hälfte aller WM-Spieler kickt als Legionär

Nur Inter Mailand schickt mehr Spieler zur Fußball-Weltmeisterschaft als der deutsche Vizemeister Bayer Leverkusen.

dpa HAMBURG. Bayer 04 Leverkusen unterstreicht selbst bei der Fußball-Weltmeisterschaft den Ruf des "ewigen Zweiten". Der in Champions League, Meisterschaft und DFB-Pokal knapp gescheiterte Werksclub stellt für den Titelkampf in Japan und Südkorea mit fünf deutschen Nationalspielern und seinen für fünf weitere Länder nominierten sechs Legionären ein beachtliches Aufgebot in Mannschaftsstärke. Übertroffen wird der Bundesliga-Vertreter nur von Inter Mailand. Beim UEFA-Cup-Halbfinalisten sind sogar 13 WM-Fahrer, darunter acht Nicht-Italiener, beschäftigt. Wie Champions-League- Sieger Real Madrid stellt auch Bayern München 10 Spieler zur WM ab.

Sechseinhalb Jahre nach dem Bosman-Urteil werfen die hohen Ausländer-Kontingente der europäischen Spitzenclubs zugleich ein Schlaglicht auf die Entwicklung des internationalen Spielermarktes. Beim Worldcup in Asien tragen 360 der von den 32 Nationalverbänden nominierten 735 Spieler (ohne den von Irland suspendierten Roy Keane) - und damit mehr als jemals zuvor - den Legionärs-Status. Die Quote liegt damit bei 48,97 Prozent. Bei der letzten WM vor Aufhebung der Ausländer-Beschränkung 1994 in den USA hatten 159 von 528 Aktiven (30,1 Prozent) ihren Arbeitgeber außerhalb ihres Heimatlandes. Vor vier Jahren in Frankreich gab es bereits einen Anteil von 43,2 Prozent. Fußball wurde endgültig zum Spiel ohne Grenzen.

Europa - nicht zuletzt durch die Champions League noch zahlungskräftiger geworden - hat sich immer mehr zum großen Schmelztiegel der Fußball-Kulturen entwickelt. Der Kicker-Kontinent Nummer 1 beschäftigt 70 Prozent der WM-Spieler - insgesamt 509 - obwohl er nur knapp die Hälfte der WM-Teams (15) stellt. In Lohn und Brot bei europäischen Clubs stehen 86 Akteure der fünf afrikanischen Vertreter. 50 aus Süd-, 22 aus Mittel- und Nordamerika sowie acht asiatische Nationalspieler. Im Gegensatz zu diesen 166 Weltenbummlern ging nur ein Akteur den umgekehrten Weg auf einen anderen Kontinent: Sloweniens Abwehrrecke Zeljko Milinovic (32) zu JEF United/Japan.

Der deutsche Profi-Fußball beschäftigt neben den von Rudi Völler für das DFB-Team auserwählten 20 bodenständigen Cracks 39 Legionäre von weiteren 18 Nationalteams und damit mehr als je zuvor. Es hätten auch ein paar mehr sein können, vor allem, hätten außer Lucio auch weitere Importschlager wie Ze Roberto (beide Leverkusen) oder Amoroso (Dortmund) Gnade vor den Augen von Brasiliens Nationalcoach Luiz Felipe Scolari gefunden. Trotz zuletzt rapide gestiegener Ausländer- Zahlen in den Bundesliga-Aufgeboten waren es vor vier Jahren nur drei weniger. Im internationalen Vergleich bedeutet das Platz vier.

Die Akzente setzt das Fußball-Mutterland mit 100 WM-Startern. 22 Profis der Premier League holte Coach Sven-Göran Eriksson neben Owen Hargreaves (FC Bayern) in den 23er-Kader, 78 weitere England-Profis beorderten Nationaltrainer-Kollegen in die Aufgebote 21 anderer Länder. Darunter befinden sich traditionell auch alle Aktiven des deutschen Gruppengegners Irland. Italien (55) und Frankreich (51) nehmen in der Legionärs-Hitliste die nächsten Plätze ein.

In Frankreich setzte spätestens 1998 der Aufkauf der Weltmeister ein. Gleich 18 Mitglieder der "Equipe Tricolore" haben sich beruflich außerhalb der Landesgrenzen verteilt. Zwischen Lens und Monaco frei gewordene Arbeitsplätze nahmen ausgerechnet 21 WM-Spieler des Senegal ein: Im Eröffnungsspiel am Freitag ist der französische Fußball damit fast unter sich. Wie Irland setzt mit Kamerun ein weiterer deutscher Gruppenrivale ausnahmslos auf von Auslandsclubs engagierte Profis. Winfried Schäfer trommelte die "Löwen" aus acht Ländern zusammen. Neben Senegal (22) sind Argentinien und Dänemark (je 21) nahezu komplett "fremd" besetzt. Nigeria (20) musste für das WM-Abenteuer eine logistische Meisterleistung vollbringen; der Marschbefehl erreichte seine Spieler in 14 Ländern.

Im statistischen Durchschnitt ist jedes WM-Team mit 11,25 Legionären bestückt. Die DFB-Mannschaft, deren Leistungsträger einst im halben Dutzend in Italien stationiert waren, fiel mit ihren nur drei Auslandsprofis Oliver Bierhoff (AS Monaco), Christian Ziege (Tottenham Hotspur) und Dietmar Hamann (FC Liverpool) in den unteren Bereich ab. Das Völler-Team ist damit aber in bester Gesellschaft von Engländern, Spaniern und Italienern, die jeweils nur einen Legionär in ihren Reihen haben. Einziger WM-Starter ohne Fußball-Söldner: Deutschlands erster Gegner Saudi-Arabien.

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