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Bayer nach 1:1 empört über „Rambo“ Totti

Ein brutales Foul von Francesco Totti und ein Gegentreffer in der Nachspielzeit verdarben Bayer Leverkusen im Geisterspiel von Rom die Freude über den Verbleib im Europapokal.

dpa ROM. Ein brutales Foul von Francesco Totti und ein Gegentreffer in der Nachspielzeit verdarben Bayer Leverkusen im Geisterspiel von Rom die Freude über den Verbleib im Europapokal.

"Wenn ich mich nicht so im Griff gehabt hätte, wäre es zu einer richtigen Auseinandersetzung gekommen. So einen Spieler muss man nachträglich bestrafen", forderte Carsten Ramelow nach dem 1:1 (0:0) im Champions-League-Spiel beim AS Rom. Nationalspieler Totti, der nach der Partie im Kabinengang noch eine Rangelei anzettelte, war dem am Boden liegenden Ramelow im Spiel mit beiden Beinen auf Oberarm und Schulter gesprungen. "Er ist ein Weltklassespieler, aber so etwas geht gar nicht", meinte der von Stollenabdrücken gezeichnete Ramelow.

"Das war eine klare Rote Karte. Totti hätte raus gemusst", schimpfte Bayer-Trainer Klaus Augenthaler über die harte Gangart der Römer, die schon im Hinspiel mit zwei Platzverweisen aus der Rolle gefallen waren. Sein Kollege Luigi Del Neri hatte für diese Kritik wenig und für seinen "Rambo", der für die unsportliche Szene nur die Gelbe Karte erhielt, großes Verständnis. "Augenthaler redet zu viel. Er sollte nicht auf der Bank, sondern auf der Tribüne sitzen. Fußball ist eben ein Männersport", meinte der römische Coach. Augenthaler reagierte auf diese Polemik seines Kollegen empört. "Männersport schön und gut, aber was der Totti gemacht hat war Judo, das war vorsätzliche Körperverletzung."

Zuvor hatte die Bayer-Elf im gespenstisch ruhigen 80 000 Zuschauer fassenden "Stadio Olimpico" den ersten Auswärtspunkt seit zwei Jahren in der Champions League und das Überwintern im Europapokal erreicht. Nach dem sehenswerten Führungstreffer von Dimitar Berbatow (82.) und dem Ausgleichstreffer von Roms Torjäger Vincenzo Montella in der Nachspielzeit ist den Leverkusenern der dritte Gruppenplatz und die Teilnahme am Uefa-Cup sicher. "Vielleicht werden wir diesem Gegentor noch nachtrauern", befürchtete Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser: "Hätte mir aber vorher jemand gesagt, dass wir in Rom 1:1 spielen, hätte ich gesagt: einpacken und Schleifchen drum."

"Wir können mit dem Punkt leben, auch wenn man das 1:0 normalerweise über die Bühne bringen muss", befand Augenthaler, dessen Team weiterhin punktgleich mit Real Madrid und Dynamo Kiew in der Gruppe B vorn liegt. "Wir sind zwar sicher im Uefa-Cup, aber ich gehe davon aus, dass wir über den direkten Vergleich auch in der Champions League weiterkommen", sagte der Bayer-Trainer. "Wenn man den Sieg so dicht vor Augen hat, ärgert man sich schon, aber wir sollten ein positives Fazit ziehen", sagte Holzhäuser.

In einem sehr schwachen Europapokalspiel schienen beide Teams irritiert von den ungewohnten äußeren Umständen im großen Stadion, das nach der Uefa-Sanktion auch im nächsten Spiel gegen Real Madrid leer bleiben muss. Ohne musikalisches Vorprogramm, Fangesänge und Fahnen wirkte die Arena trostlos - das Niveau der Partie passte sich den Rahmenbedingungen an. "Das war schon alles sehr komisch. So etwas habe ich noch nie erlebt", gestand Ex-Nationalspieler Ramelow.

Die befürchteten Ausschreitungen der heißblütigen "Roma"-Fans blieben aus. Die Polizei hatte einen großen Sicherheitsgürtel um das Stadion gezogen. Nur etwa 300 Anhänger kamen zusammen und feuerten ihre Mannschaft außerhalb des Stadions an. "Es ist zufriedenstellend, dass nichts passiert ist", bilanzierte Holzhäuser.

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