Bayer nach Pokalpleite am Boden zerstört
Frust beim "ewigen Zweiten"

Die Fans verbrannten die Fahnen, Trainer und Manager starrten apathisch ins Leere, und einige der Verlierer verschwanden noch vor der Siegerehrung frustiert in der Kabine.

sid BERLIN. Nach der zweiten verspielten Titelchance innerhalb einer Woche war Bayer Leverkusen am Boden zerstört. "Es gibt keinen Trost, wenn man nach zwei Endspielen noch keinen Titel gewonnen hat. Wir sind müde, leer und maßlos enttäuscht", beschrieb Trainer Klaus Toppmöller die Stimmung beim Vizemeister nach dem 2:4 (1:1) im DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04.

Bei Ulf Kirsten, Ze Roberto und Lucio saß die Enttäuschung so tief, dass sie nicht einmal mehr auf die Silbermedaillen aus der Hand von Bundespräsident Johannes Rau warten wollten. "Sie sind in die Kabine gegangen, so etwas gehört sich im Sport nicht", ärgerte sich Toppmöller über das Trio: "Es sind schon harte Worte gefallen. Das war eine bodenlose Unverschämtheit."

Trost gab es für den "ewigen Zweiten" nicht, aber Mitleid für die "Schönspieler" von allen Seiten. "Es ist unglaublich bitter für Bayer Leverkusen", meinte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement stellvertretend für die gesamte Politprominenz: "Ich habe ein bisschen Mitleid mit ihnen, sie haben den schönsten Fußball in dieser Saison gespielt."

Beim dritten und letzten Anlauf auf einen Titel am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr/live in RTL und Premiere) in Glasgow im Champions-League-Finale gegen Real Madrid will der Landesvater Bayer höchstpersönlich unterstützen. "Ich fliege mit", kündigte Clement an und machte den Verlierern Mut: "Ich glaube, Bayer kann gewinnen. Diesmal ist die Mannschaft nicht in der Favoritenrolle, die liegt ihr nicht."

Toppmöller hat nun die schwierige Aufgabe, die Frustrierten innerhalb von drei Tagen wieder aufzurichten. "Jetzt sind ganze Kerle gefordert. Jeder muss an sich glauben, dann haben wir eine Chance", meinte der Trainer, der noch immer auf den ersten Titel seiner Karriere wartet, und kündigte an: "Wir werden viele Einzelgespräche führen. Ich muss die Mannschaft psychisch und physisch wieder aufbauen. Es zählt nicht die Vergangenheit, sondern nur die Gegenwart. Wir müssen wieder aufstehen."

Drastischere Mittel zur Frustbewältigung schlug Manager Reiner Calmund beim nächtlichen Bankett im Hotel Esplanade seinen Profis vor: "Ich würde empfehlen: Leck mich inne Täsch und lass es richtig krachen! Dann hast du zwar am nächsten Tag einen dicken Kopf, aber wenigstens ist dann die Birne frei. Ich war richtig down, aber jetzt lasse ich die Sau raus."

Nationalspieler Bernd Schneider indes wollte es etwas ruhiger versuchen. "Ich werde jetzt mit meiner Tochter spielen, um mich abzulenken", sagte der 25-Jährige und gestand: "Ich bin geschockt. Zwei solche Negativerlebnisse muss man erst verarbeiten." Viel Zeit dazu hat Bayer nicht.

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