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Bayer verkauft H&R an Finanzinvestor

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer verkauft seine Duftstofftochter Haarmann & Reimer (H&R) für 1,66 Mrd. ? an den Finanzinvestor EQT Northern Europe Private Equity Fonds. EQT will H&R mit dem ebenfalls in Holzminden ansässigen Konkurrenten Dragoco fusionieren und das neue Gemeinschaftsunternehmen nach eigenen Angaben in zwei bis drei Jahren an die Börse bringen.

rtr LEVERKUSEN. Mit der Fusion entsteht der weltweit viertgrößte Duft- und Geschmacksstoffhersteller mit einem Umsatz von 1,245 Mrd. ? und weltweit 5800 Mitarbeitern, teilte EQT am Mittwoch mit. Ziel sei, den nur geringfügig größeren schweizerischen Duftkonzern Firmenich zu überholen und beim zügigen Wachstum von Marktführer International Flavors and Fragrances (IFF) sowie der dahinter folgenden schweizerischen Givaudan mithalten zu können, sagte Hans Moock, Geschäftsführer Deutschland bei EQT Partners zu Reuters. Bayer will mit dem Erlös seine Schulden reduzieren. Der Buchgewinn aus dem Verkauf belaufe sich auf 950 Mill. bis eine Milliarde Euro, sagte ein Sprecher.

EQT ist eine Gruppe von Private Equity-Fonds, die den Angaben zufolge mit einem Eigenkapital von mehr als drei Mrd. ? ausgestattet sind und finanziell durch die Industrie-Holding Investor AB der schwedischen Wallenberg-Gruppe unterstützt werden. In dem Bieterverfahren um H&R seien bis zuletzt strategische und Finanz-Investoren im Rennen gewesen, teilte Bayer mit. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten war auch der Schweizer Riechstoff- und Aromenkonzern Givaudan gezählt worden. Der Spezialchemiekonzern Degussa ist nach eigenen Angaben bereits zu einem früheren Zeitpunkt aus dem Bieterverfahren ausgestiegen.

Bayer hatte zunächst mitgeteilt, für H&R mindestens 1,5 Mrd. ? erlösen zu wollen. Auf Grund des großen Interesses war in Branchenkreisen jedoch bereits ein Kaufpreis in der Nähe von 1,7 Mrd. ? erwartet worden. Das Bayer - Papier file bis zum Abend um 1,2 % auf 29,10 ?.

EQT will H&R mit dem Konkurrenten Dragoco zu einer neuen Gesellschaft fusionieren, die mit einem neuen Namen im Markt auftreten soll. Der Mehrheitsgesellschafter und Vorstandschef von Dragoco, Horst-Otto Gerberding, bringe alle von ihm gehaltenen Anteile in das neue Unternehmen ein, teilte EQT mit. EQT übernehme die Anteile der Minderheitsgesellschafter von Dragoco. An der neuen Gesellschaft halte EQT dann eine Mehrheit von 76 %, Gerberding, der auch der neuen Gesellschaft vorstehen soll, 22 % und die NordLB zwei Prozent.

"Wir können uns einen Börsengang vorstellen nach dem erfolgreichen Abschluss der Fusion in zwei bis drei Jahren", sagte Moock von EQT Partners. Ein Börsengang hänge jedoch auch von der Verfassung der Kapitalmärkte ab. In den nächsten Jahren solle das neue Gemeinschaftsunternehmen vor allem organisch wachsen. Weitere Zukäufe seien eher mittelfristig geplant, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Börsengang.

Die H&R-Gruppe erzielte im vergangenen Jahr mit weltweit 3800 Mitarbeitern einen Umsatz von 872 Mill. ? und lag in der Branche damit auf Platz fünf. Die Dragoco-Gruppe erzielte den Angaben zufolge 2001 als achtgrößter Duftstoff- und Aromenproduzent mit 2000 Mitarbeitern einen Umsatz von 372 Mill. ?. Bayer will den Verkauf im vierten Quartal 2002 abschließen. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Bayer-Konzernchef Werner Wenning äußerte sich am Mittwoch zuversichtlich, nach dem Verkauf von H&R auch die anderen angekündigten Desinvestitionen planmäßig realisieren zu können. Nach dem Verkauf des Wohnungsbestandes, der Agfa-Beteiligung und des Generika-Geschäfts in Frankreich und Spanien will Bayer im Rahmen seines Konzernumbaus in diesem Jahr auch die Haushaltsinsektizide, die Rhein Chemie und den Anteil am Joint Venture Polymer Latex verkaufen. Darüber hinaus steht der Verkauf von Teilen des Insektizid- und Fungizidgeschäftes von Aventis CropScience an, den die Europäische Kommission Bayer für die Genehmigung der Übernahme zur Bedingung gemacht hatte. Früheren Angaben zufolge will Bayer insgesamt mindestens vier Mrd. ? durch Desinvestitionen erzielen, davon drei Mrd. ? in diesem Jahr. Die Nettoverschuldung soll damit bis Jahresende auf etwa zehn Mrd. ? gesenkt werden. Nach der Übernahme der Aventis-Pflanzenschutzsparte CropScience war sie auf über 14 Mrd. ? gestiegen.

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