Bayer
Vier Todesfälle nach Lipobay-Einnahme in Deutschland

Das Cholesterin senkende Mittel Lipobay wird in den USA und in Deutschland mit mehreren Todesfällen in Verbindung gebracht.

dpa ESHBORN. In Deutschland sind 90 Fälle von Muskelzerfall im Zusammenhang mit Lipobay registriert worden, davon vier Todesfälle. Das bestätigte ein Sprecher des zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn am Donnerstag. Die US-Gesundheitsbehörde FDA untersucht 31 entsprechende Todesfälle.

Neben Lipobay ist in Deutschland ein zweites Produkt mit dem Wirkstoff Cerivastatin auf dem Markt. Es handelt sich um ein Medikament mit dem Namen Zenas der Firma Fournier Pharma im hessischen Sulzbach. Ob nach Bayer auch Fournier sein Produkt vom Markt nimmt, war am Donnerstag zunächst noch unklar. In Sulzbach war nur zu erfahren: "Wir werden uns schriftlich dazu äußern."

Umgehend mit Ärzten in Verbindung setzen

Betroffene Patienten sollten sich "möglichst umgehend" mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung setzen, sagte Martin Schulz von der Bundesvereinigung deutscher Apotheker-Verbände (ABDA) in Eschborn, am Donnerstag. "Es gibt hier zahlreiche Alternativen". Die Patienten sollten mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, welches andere Mittel sie nehmen könnten, ergänzte der Leiter des ABDA-Zentrums für Arzneimittelinformation. Grund zur Panik gebe es nicht.

Der Wiesbadener Prof. Gustav G. Belz von der Deutschen Gesellschaft für klinische Pharmakologie und Therapie nannte als mögliche Alternativen Cholesterin-Senker mit dem Wirkstoff Pravastatin. Diese seien so gut wie frei von der genannten Nebenwirkung.

Verbraucher Initiative: Bayer verantwortungslos

Die bundesweite Verbraucher Initiative (Berlin) bezeichnete die Informationspolitik des Bayer-Konzerns als "verantwortungslos". Sie prüfe derzeit mögliche Schadenersatzansprüche von Betroffenen, sagte der Bundesvorsitzende Dieter Kublitz. Bayer hatte die Gefahr schon länger gekannt. Bereits im Juni verschickte Bayer einen so genannten Rote-Hand-Brief.

Das Unternehmen hatte Lipobay am Mittwoch weltweit mit Ausnahme von Japan vom Markt genommen. Die Nebenwirkung Muskelschwäche sei insbesondere bei Menschen aufgetreten, die gleichzeitig den Wirkstoff Gemfibrozil erhielten. Auch dieser Stoff senkt die Blutfettwerte. 12 der 31 in den USA Gestorbenen hatten laut Gesundheitsbehörde FDA gleichzeitig Gemfibrozil genommen. Da Gemfibrozil in Japan nicht vertrieben werde, sei der Cholesterin-Senker dort noch auf dem Markt. Lipobay wird in anderen Ländern unter den Namen Baycol vertrieben.

Symptome für den Muskelzerfall Rhabdomyolyse sind laut FDA Schwäche, Fieber, Umwohlsein und Übergeben. In den meisten Fällen seien die Muskeln in den Waden und im unteren Rücken betroffen, teilte die FDA mit. Bei der Rhabdomyolyse gehen die Muskelzellen kaputt. Der Zellinhalt gerät in die Blutlaufbahn und verstopft schließlich die feinen Nierenkanäle. Das kann laut Belz bis zum Nierenversagen führen und damit tödlich sein.

Lipobay 1999 in Deutschland 900 000 Mal verordnet

Lipobay haben Ärzte allein 1999 in Deutschland 900 000 Mal verordnet, sagte BfArM-Experte Arzneimittelexperte Ulrich Hagemann dem Nachrichten Radio MDR Info (Halle). Allerdings könne man keine genaue Zahl der betroffenen Patienten nennen, weil einige mehrere Rezepte pro Jahr erhielten. Der renommierte Arzneimittelreport schreibt von 78,5 Millionen Tagesdosen.

In dem Rote-Hand-Brief der beiden Firmen Bayer Vital und Fournier Pharma vom 28. Juni wird auf eine Interaktion von Cerivastatin mit Gemfibrozil mit dem erhöhten Risiko einer Rhabdomyolyse hingewiesen. "Eine Rücknahme der Packungen aus dem Handel wird nicht für erforderlich angesehen", schrieben die Firmen jedoch.

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