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Bayer will nach Kiew-Pleite nicht von Krise reden

Bei Bayer 04 Leverkusen will man trotz der 2:4-Niederlage in der Champions League bei Dynamo Kiew von einer Krise nichts wissen. Trainer Klaus Augenthaler übte sich nach der Partie in der Rolle des Gesundbeters:

dpa KIEW. Bei Bayer 04 Leverkusen will man trotz der 2:4-Niederlage in der Champions League bei Dynamo Kiew von einer Krise nichts wissen. Trainer Klaus Augenthaler übte sich nach der Partie in der Rolle des Gesundbeters:

"Die Mannschaft hat sich zurückgemeldet. Ich kann ihr keinen Vorwurf machen, was Laufarbeit, Zweikampfverhalten und Einsatz angeht. Darauf können wir aufbauen", sagte Augenthaler. Es sei ein großer Fußball-Abend gewesen, "nur mit dem falschen Ausgang". Ähnlich äußerte sich Vereinschef Wolfgang Holzhäuser: "Es gibt Spiele, bei denen das Ergebnis nicht für die Leistung steht."

Dies sah sein Kapitän Jens Nowotny deutlich anders. "In den entscheidenden Situationen war Kiew besser, da dürfen wir uns nicht in die Tasche Lügen", meinte der 30 Jahre alte Abwehrchef, der bei seiner Rückkehr nach einer sechswöchigen Verletzungspause Freud und Leid erlebte. Ihm gelang zwar das erste Tor in seiner 46. Champions-League-Partie, doch der Bayer-Defensive konnte auch er den zuletzt vermissten Halt nicht geben.

"Mein Spiel war okay, doch wenn man in der Abwehr vier Tore hinnehmen muss, kann man nicht zufrieden sein", resümierte Nowotny nach den Doppelpacks von Diogo Rincon (30./69. Minute) und Florin Cernat (74./90.+2). Und dabei hatte seine Abwehrriege - die seit dem 3:0-Traumstart gegen Real Madrid in vier Spielen ohne Sieg zwölf Treffer kassierte - nebst Torwart Jörg Butt noch Glück, dass die pfeilschnellen Dynamo-Stürmer drei Mal nur den Pfosten trafen.

Einen Fußball-Kurzeinsatz der Extreme erlebte auch Bayer-Neuzugang Andrej Woronin in 29 Spielminuten. Fünf Minuten nach der Einwechslung gelang dem im ukrainischen Odessa geborenen Stürmer das 1:1 (59.), neun Minuten später leistete er die Vorarbeit zum 2:1 durch Nowotny und eine Viertelstunde danach sah er die Gelb-Rote-Karte (82.). Der umstrittene Platzverweis war das Resultat seines Aufbegehrens gegen eine nicht geahndete Ruppigkeit gegen Juan am Dynamo-Strafraum und eines von ihm begangenen Fouls.

"Die Gelbe Karte wegen angeblichen Meckerns war überzogen. Er hat nur gesagt, was jeder gesehen hat", nahm Augenthaler den 25 Jahre alten Stürmer in Schutz und hatte noch ein Lob für ihn parat: "Er hat bewiesen, dass er uns weiterhelfen kann." Woronin selbst hielt die Hinausstellung ebenfalls für nicht berechtigt. "Der Schiedsrichter hat mich missverstanden", sagte der Zweitliga-Torschützenkönig der Saison 2002/2 003. Gleichzeitig machte er keinen Hehl daraus, dass er vor seinen 82 893 Landsleuten im Hexenkessel "Olympia" gern von Beginn an dabei gewesen wäre: "Bayer hätte gewonnen, wenn ich von Anfang an gespielt hätte."

Vielleicht erhält er ja nun gegen den Hamburger SV die Chance, um wenigstens in der Bundesliga für die Wende zu sorgen. "Egal, es müssen drei Punkte her", fordert Nowotny gegen das Team von Trainer Klaus Toppmöller, der die labile Bayer-Truppe 2001/2 002 ins Champions-League-Finale führte, danach aber die in Abstiegsnot geratenen Leverkusener verlassen musste. "Warum soll ich zurückblicken, wir kennen die Situation. Und wir müssen da raus", hofft auch Carsten Ramelow.

Nach dem Aus im DFB-Pokal (gegen Bremen 2:3) und dem Abrutschen auf Platz sieben in der Bundesliga wird es Leverkusen in der Champions League schwer haben, das Achtelfinale zu erreichen. Der elfmalige Dauermeister aus der Ukraine führt die Gruppe B mit sechs Punkten an, und Real Madrid setzte sich bei AS Rom mit 4:2 durch. "Wir haben vor 80 000 Zuschauern gezeigt, dass wir mithalten können. Und es gibt ja noch ein Rückspiel", sinnt Augenthaler auf Revanche am letzten Spieltag. Ohne einen Sieg im Heimspiel gegen den AS Rom am 19. Oktober könnte ein etwaiger Erfolg aber nur noch Kosmetik sein.

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