Bayer will sich wehren
Allianz bittet Industrie zur Kasse

Die deutsche Industrie muss sich auf eine weitere Verteuerung des Versicherungsschutzes einstellen. "Vor allem bei Haftpflicht-Policen sehe ich noch Nachholbedarf bei Prämienerhöhungen", sagte Axel Theis, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG, zum Handelsblatt.

ali/cbu/ajo MÜNCHEN. Auch der HDI, neben Marktführer Allianz und Gerling einer der führenden Industrie-Versicherer in Deutschland, will die Konditionen erhöhen. "Das bezieht sich aber nicht allein auf Preise, sondern kann auch höhere Selbstbehalte oder eingeschränkte Deckungsumfänge bedeuten", sagte HDI-Vorstand Klaus-Peter Herfeld. Aus Branchenkreisen heißt es, die Policen würden sich voraussichtlich um über zehn Prozent verteuern.

Getroffen wird vor allem die Pharmaindustrie. Sie wird für Produkthaftpflichtschutz "deutliche spürbare" Preiserhöhungen hinnehmen müssen, kündigte Allianz-Manager Theis an. Für die Automobilindustrie soll der Versicherungsschutz für Rückruf-Aktionen teurer werden. Zudem werden die Versicherer angesichts des erhöhten Risikos von Schadensersatzklagen für die US-Aktivitäten deutscher Konzerne einen Risikozuschlag verlangen.

Bei Produkthaftpflichtpolicen zahlt ein Versicherer, wenn durch ein fehlerhaftes Produkt seines Kunden ein Sach- oder Personenschaden bei Dritten entsteht. Hintergrund für die geplante Preisrunde sind spektakuläre und teure Schadensfälle wie der Fall Lipobay. Bayer hatte das Cholesterin senkende Mittel 2001 vom Markt genommen, nachdem mehrere Todesfälle bei Lipobay-Anwendern bekannt geworden waren. Als weitere Gründe für Preiserhöhungen verweist HDI-Vorstand Herfeld auf die gesetzlich beschlossenen Haftungsverschärfungen. Das neue Schadensersatzrecht sieht zum Beispiel einen allgemeinen Anspruch auf Schmerzensgeld unabhängig vom Verschulden vor.

Der Widerstand der Industrie formiert sich bereits. Der Bayer-Konzern, der den Trend zu teurerem Haftpflicht-Schutz bestätigte, will sich jetzt wehren. "Wir untersuchen alternative Geschäftsmodelle, um eine größere Unabhängigkeit vom traditionellen Versicherungsmarkt zu erlangen", erklärte ein Bayer-Sprecher. "Im Bereich Chemie haben wir in Deutschland nur wenige Schadensfälle gesehen, die eine weitere Prämienerhöhung rechtfertigen", sagte auch BASF-Sprecher Michael Grabicki. Günter Schlicht, Geschäftsführer des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS), des Interessenverbandes industrieller Versicherungskunden, warnte: "Die Versicherer sollten nicht überziehen: Einen allgemeinen Preiserhöhungsbedarf bei Haftpflicht sehe ich nicht."

Quelle: Handelsblatt

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