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Bayer will Spitzengespräch - Klinsmann muss löschen

Jürgen Klinsmann besteht im Streit um das deutsche Quartier bei der WM 2006 auf das letzte Wort. „Es gibt gewisse Absprachen, und ich habe großen Respekt vor Bayer, das so viel für die WM-Bewerbung gemacht hat.“

dpa LOS ANGELES/HAMBURG. Jürgen Klinsmann besteht im Streit um das deutsche Quartier bei der WM 2006 auf das letzte Wort. "Es gibt gewisse Absprachen, und ich habe großen Respekt vor Bayer, das so viel für die WM-Bewerbung gemacht hat."

"Aber letztendlich muss der aktuelle Trainerstab entscheiden, was das Optimale für die Mannschaft ist", sagte Klinsmann vor seinem Abflug aus Los Angeles nach Leverkusen der dpa. Am Rande des Champions-League-Gruppenspiels gegen Real Madrid will der neue Bundestrainer mit den Verantwortlichen von Bayer Leverkusen die Situation erörtern.

Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser fordert indes ein Gipfeltreffen mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Dabei werde es darum gehen, "die vertraglichen Vereinbarungen und die Vorstellungen von Jürgen Klinsmann in Einklang zu bringen", sagte er der dpa. Der DFB hatte dem Club als Gegenleistung für die auch finanziell beträchtliche Unterstützung des Chemie-Riesen Bayer bei der WM-Bewerbung zugesichert, dass die deutsche Nationalmannschaft ihre öffentlichen WM-Trainingseinheiten in der Bayarena absolvieren werde. Mayer-Vorfelder ist nun gefordert, einen Kompromiss auszuarbeiten. Der könnte beispielsweise so aussehen, dass Leverkusen trotz der geringen Zuschauerkapazität in der unmittelbaren WM- Vorbereitung Schauplatz eines attraktiven Länderspiels wird.

"Bei allem Respekt vor Bayer. Die Entscheidung muss man uns überlassen. Und da ist die Meinung der Mannschaft ganz wichtig", betonte Klinsmann: "Die WM wird eine sehr angespannte Phase für die Mannschaft sein, und wir müssen alles dafür tun, es den Spielern so angenehm wie möglich zu machen und optimale Voraussetzungen schaffen." Dies sieht das neue Führungstrio Klinsmann, Oliver Bierhoff und Joachim Löw in der von Ex-Teamchef Rudi Völler ausgearbeiteten Konstellation mit der Bayarena und dem rund 30 Autominuten entfernt gelegenen Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach nicht gewährleistet. Das gediegene Hotel mitten im Grünen passt überhaupt nicht zur neuen Klinsmann-Ära.

"Wir sind noch völlig offen und überhaupt nicht in Zeitdruck", sagte Klinsmann. Der 40-Jährige hält einen kompletten Ortswechsel ebenso für denkbar wie einen mehrmaligen Umzug während der Titelkämpfe: "Vielleicht bleiben wir zehn Tage hier, zehn Tage da und zehn Tage dort." Der Konföderationen-Pokal im kommenden Sommer biete als WM-Generalprobe "die Möglichkeit, ein paar Sachen auszuprobieren".

Auch in der Frage um das Eröffnungsspiel will Klinsmann noch einmal die Profis kontaktieren: "Wenn sie unbedingt das Eröffnungsspiel bestreiten wollen - von mir aus sollen sie es dann machen." Team-Manager Oliver Bierhoff hatte zuvor erklärt, man wolle das Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 in München dem Rekord-Weltmeister und Titelverteidiger Brasilien überlassen.

Bei Bayer hielt die Verstimmung über die neue Entwicklung an. "Man hört da eine Tendenz, die offensichtlich in den Köpfen des neuen Trios ist. Herr Klinsmann ist das sportliche Aushängeschild zusammen mit Herrn Bierhoff. Das ist alles prima, wir wünschen ihnen alles Gute. Aber der Gesprächs- und Vertragspartner von Bayer 04 ist Herr Mayer-Vorfelder", betonte Meinolf Sprink, Sportbeauftragter der Bayer AG, in einem Gespräch mit dem Internet- Anbieter "Sport1".

Indes hat sich Klinsmann gegen Kritik an seiner Arbeitsweise sowie an seinem Wohnort Los Angeles gewehrt. Es sei wichtig, "in irgendeiner Form den Kick von außen zu bewahren. Wenn ich jeden Tag beim DFB in Frankfurt sitzen würde, hätte ich nur den Kick von innen", sagte der Ex-Nationalspieler zu den Vorwürfen, er hätte nach dem Länderspiel gegen Brasilien (1:1) in Deutschland bleiben müssen. Der Job des Bundestrainers "muss international sein. Ich muss eher nach Brasilien, Argentinien, Uruguay oder Mexiko reisen, um mich dort umzuschauen. Auch nach Japan und Südkorea, alles mögliche WM-Gegner", meinte der 40-Jährige in einem Gespräch mit der "Sport Bild".

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