Bayerischer Finanzminister sieht keine Gefahr für Kirch-Kredite
Erste Entlassungen bei Premiere

Der neue Premiere-Chef Kofler greift durch: In Call-Centern des defizitären Bezahlfernseh-Kanals fallen in den kommenden Monaten250 Stellen weg. Trotz der Sparmaßnahmen ist völlig offen, ob Premiere überlebt.

jojo MÜNCHEN. Die ersten Mitarbeiter des angeschlagenen Pay-TV-Kanals Premiere müssen bald ihre Schreibtische räumen. In Call-Centern in München und Hamburg werden noch in diesem Jahr rund 250 Stellen wegfallen, sagte gestern ein Unternehmens-Sprecher in München. Premiere macht jeden Tag rund 2 Mill. Euro Verlust. Der Fernsehsender ist damit einer der Haupt-Auslöser für die akute Krise der Kirch-Gruppe.

Offenbar hatte Premiere seine Call-Center viel zu groß ausgelegt, weil wesentlich mehr Abonnenten erwartet worden waren. Die Zahl der Premiere-Kunden stagniert aber seit Monaten bei knapp über 2,4 Millionen. Darüber hinaus geht auch der Beratungsaufwand für die Abonnenten zurück, sagte ein Sprecher, weil Premiere die Produktion der eigenen Empfänger aufgibt, der D-Box.

Nach wie vor ist unklar, ob Premiere überhaupt überleben wird. Seit Wochen verhandeln die Banken mit Kirch über eine Sanierung des Medienimperiums von Leo Kirch, das mit 6,5 Mrd. Euro verschuldet ist. Am Sonntag trifft sich erneut ein Teil der Kreditgeber, um über eine Lösung der Finanzprobleme zu beraten. Konkrete Ergebnisse erwarten Banker allerdings noch nicht.

Am Dienstag kommt dann der Aufsichtsrat von Premiere zusammen, um über ein Sanierungskonzept von Georg Kofler zu reden. Dabei dürfte auch ein weiterer Personalabbau zur Sprache kommen. Aus Analysten-Sicht haben aber vor allem ungünstige Verträge über den Filmeinkauf mit der Kirch-Gruppe zu den Schwierigkeiten bei Premiere geführt.

Im Kirch-Konzern steht neben dem Pay-TV allerdings auch ein Verkauf der Formel-Eins-Anteile zur Disposition. Aus Bankenkreisen verlautete, dass eine Konzentration Kirchs auf seine Kernfelder, also den Rechtehandel und die TV-Sender, unausweichlich sei.

Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) zeigte sich in München zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen eine Lösung gefunden wird. "Es geht jetzt um ein Gesamtkonzept", betonte der Politiker. Alle Beteiligten würden konstruktiv miteinander beraten. Allerdings habe er noch nie einen so komplexen Fall vor sich gehabt, sagte Faltlhauser vor Mitgliedern des Clubs Wirtschaftspresse München. Eine Pleite der Kirch-Gruppe würde den Medienstandort München erheblich ins Wanken bringen.

Der Minister sieht allerdings keine Gefahr, dass Kanzlerkandidat Stoiber durch die Kirch-Krise beschädigt wird. Kirch steht bei der halb-staatlichen Bayerische Landesbank mit 1,9 Mrd. Euro in der Kreide. Die Münchener Banker hatten Anfang vergangenen Jahres auf Druck der Landespolitiker den Einstieg von Kirch in die Formel Eins finanziert.

Private Banken hatten sich geweigert, das Risiko zu übernehmen. "Um den Formel-Eins-Kredit ist mir nicht bange", betonte Faltlhauser, "die Formel-Eins wird kein Problem für die Landesbank." Faltlhauser hatte im Kreditausschuß der Landesbank dem Engagement zugestimmt. Seinen Staatsminister Erwin Huber hat Stoiber jüngst aus dem Verwaltungsrat der Bayern LB abgezogen.

Faltlhauser zeigte sich auch offen für ausländische Partner bei Kirch: "Ich würde die Investoren nicht auf die Staatsgrenzen begrenzt sehen wollen." Vor allem Rupert Murdochs News Corps gilt als möglicher Interessent für Premiere oder die Senderkette ProSieben.

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