Bayern jetzt fünf Punkte hinter Tabellenführer Leverkusen
Für zwei Stunden nicht zurechnungsfähig

Dass Fußball ein Kampfsport ist, hat die Partie zwischen Lautern und dem FC Bayern am Samstag erneut bewiesen. Die Spieler waren so sehr mit dem Foulen beschäftigt, dass sie darüber vergaßen, ein Tor zu schießen.

Es gibt Spiele, da bleibt am Ende nur Verwirrung. Braucht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch in dieser Saison eine Art Blauhelm-Schutztruppe, um zu verhindern, dass sich verfeindete Spieler die Köpfe einschlagen? Und muss nun ernsthaft über die Kultur des Miteinanders im Fußball gesprochen werden? Nach dem 0:0 des FC Bayern München auf dem Betzenberg in Kaiserslautern flammte die Debatte um die Sicherheit im Fußball wieder auf. Doch obwohl es nach der Partie zu Krawallen zwischen den rivalisierenden Fans kam, ging es diesmal nicht in erster Linie um Hooligans unter den Zuschauern, sondern unter den Profis auf dem Platz und den Trainerbänken.

"Manche sind zwischen halb vier und halb sechs einfach nicht zurechnungsfähig", brachte Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell das Gesehene auf den Punkt. Vielleicht haben sie beim DFB gewusst, was bei diesem Spiel auf sie zukommt, und deshalb Amerell als Aufpasser für Torsten Koop in die Pfalz geschickt, der sein 60. Bundesligaspiel pfiff. "Es war ein Risiko, dass ihn Volker Roth hierher geschickt hat, aber er hat alles richtig gemacht", erklärte Amerell nach dem Abpfiff. Doch Koops Entscheidungen sorgten dafür, dass auf dem Betzenberg in 90 Minuten die Emotionen überkochten. Erst hatte der 36-Jährige den Pfälzern Dimitrios Grammozis und Ratinho sowie dem Bayern Thomas Linke für ihre schweren Fouls nur Gelb gezeigt und dann den Treffer von Jörgen Pettersson wegen Handspiels nicht anerkannt.

Hoeneß wie das Rumpelstilzchen

Es waren wilde Szenen, die sich im Fritz-Walter-Stadion abspielten, "das Hässlichste", was er in seiner bisherigen Laufbahn gesehen habe, sagte Premiere-Reporter Marcel Reif später. Uli Hoeneß stampfte wild brüllend nur Zentimeter vor Andreas Brehme herum, der von seinem Sitz aus lautstark konterte. "Hier", schimpfte Hoeneß, "werden die Zuschauer so provoziert, dass sie sich verhalten wie wilde Tiere." Brehme rannte ständig zur Seitenlinie und bedrängte die Schiedsrichter, bis denen der Kragen platzte und sie den Team-Manager auf die Tribüne verbannten. Mario Basler wich in stritten Szenen kaum von Koops Seite und forderte Bestrafungen. Ein paar Lunten hatte er zuvor schon gelegt, als er behauptete, die Schiedsrichter würden die Münchner schonen: "Die dürfen sich alles erlauben, da unternimmt keiner was".

"Hier waren Neid und Hass in Reinkultur zu sehen", resümierte Bayern-Torwart Oliver Kahn, dessen Mannschaftskamerad Thorsten Fink vor dem Bus noch eine Bierdusche über sich ergehen lassen musste. Nur Bixente Lizarazu konnte dem Spiel der Lauterer etwas Positives abgewinnen: "Wenn die gegen Leverkusen auch so überhart spielen, dann ist es in Ordnung."

Mario Basler konnte die Aufregung der Münchner nicht verstehen: "Ach was, das Spiel war gar nicht so hart", sagte er. Anstatt zu schimpfen solle Hoeneß "lieber einmal nach seinen eigenen Spielern schauen und sehen wie krank die sind, wenn sie dauernd fallen". Lauterns Klubchef Jürgen Friedrich erklärte, die Zuschauer hätten ein Recht auf Lebendigkeit, auch wenn es deshalb natürlich keine "Theateraufführungen" im Stadion geben dürfe. Fußball sei nun einmal ein Kampfsport, und "wir stehen nicht Spalier für einen Bayern-Sieg". Und Friedrich zählte die Fouls der Bayern aus den letzten Spielen auf: "Effenberg gegen Balakow, da hat kein Mensch was gesagt."

Spiel mit üblem Nachgeschmack auch für den Referee

Bei den Unparteiischen hinterließ das Spiel auf jeden Fall einen üblen Nachgeschmack. "Wir müssen dahin kommen, dass du die auch in der Halbzeit ansprechen kannst", sagte Amerell mit Blick auf die Akteure. "Aber wenn auf den Trainerbänken keine Ruhe herrscht, kriegst du auch im Stadion keine." Es gehe nicht nur um Kaiserslautern, sondern um die veränderte Gesamtsituation in der Liga, die durch die neuen Stadien noch angeheizt werde.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch am Samstag, auch wenn die kurzen Spielsequenzen im Getöse fast untergingen. So auch der Elfmeter von Basler, den Kahn in der zwölften Minute parierte. Nur deshalb ist Tabellenführer Bayer Leverkusen den Münchnern jetzt fünf Punkte voraus - und nicht sechs.

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