Bayern-Manager Uli Hoeneß über die Folgen der Kirch-Pleite.
Hoeneß: „ Goldene Jahre brechen an“

Bayern-Manager Uli Hoeneß über die Folgen der Kirch-Pleite.

Herr Hoeneß, der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat die Profivereine aufgefordert, den Gürtel enger zu schnallen. Kürzt der FC Bayern jetzt Ihr Managergehalt?

Den Gürtel enger schnallen muss man, wenn es einer Firma schlechter geht. In dem Moment, in dem das beim FC Bayern passiert, werden wir den Gürtel enger schnallen. Da es dem Verein nach wie vor bestens geht, besteht kein Anlass, darüber nachzudenken.

Durch die Kirch-Insolvenz könnten die TV-Gelder doch jetzt spärlicher fließen.

Der Rest der Spielzeit ist gesichert. Ich bin davon überzeugt, dass die letzte Kirch-Rate von 100 Millionen Euro für diese Saison bezahlt werden wird. Selbst wenn nicht: Die Vereine haben über die Deutsche Fußball Liga (DFL) genügend Rücklagen gebildet, um die Saison ohne Probleme über die Bühne zu bringen.

Beinahe die gesamte Zweite Bundesliga, aber auch Erstligisten wie Freiburg, Mönchengladbach oder Nürnberg hängen am Tropf der TV-Gelder, erzielen bis zu 90 Prozent der Einnahmen auf diesem Wege. Drohen dort Pleiten?

Durch die Probleme bei Kirch ist die Ware Fußball doch nicht weniger Wert. Wer immer künftig Fußball übertragen wird - für diesen Sender wird das ein zentraler Programmbestandteil sein. Daher wird er auch den entsprechenden Preis bezahlen. Darum kann ich über das Lamentieren von Leuten wie Herrn Mahr von RTL über die hohen TV-Honorare nur milde lächeln - die haben doch selbst die Preise mit hoch getrieben.

Schliessen Sie aus, dass die TV-Honorare stark sinken? Was machen dann die Vereine?

Das kann man natürlich nie ausschließen. Wer mehr ausgibt als er einnimmt, der wird immer in Probleme geraten - das ist in der Wirtschaft nun mal so. Wenn es tatsächlich weniger Fernsehgelder geben würde, dann müssten die Vereine nochmal über die Verteilung der Fernsehhonorare nachdenken; da wären die starken Clubs gefordert, die schwächeren noch kräftiger zu unterstützen. Der Bundesliga wäre nicht geholfen, wenn am Ende nur noch zwölf Vereine um die Meisterschaft spielen.

Früher waren Sie einmal dafür, dass jeder Verein seine TV-Rechte selbst vermarkten darf.

Das stimmt nicht! Mir werden immer die schlimmsten Dinge nachgesagt. Es ist richtig, dass wir diesen Vorschlag einmal überprüft haben. Doch wir sind sehr schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass die zentrale Vermarktung der beste Weg für die großen Vereine ist, Solidarität mit den kleinen Clubs zu zeigen.

Das Thema "Staatsbürgschaften für Fußballmillionäre" ist damit vom Tisch?

Das Thema hat die Bundesliga nie auf die Tagesordnung gebracht. Da sind einige Politiker vorangesprungen, um sich beklatschen zu lassen. Als die dann merkten, dass es Pfiffe aus dem Publikum gab, sind sie schnell zurückgerudert.

Politiker wie Bremens Bildungssenator Willi Lemke kritisieren die überhöhten Gehälter.

Die Aussagen solcher Schwadroneure zeugen von einem Populismus, der mich krank macht. Das Thema Kirch hat durch die Diskussion um die Fußballrechte eine Dimension bekommen, die der Sache völlig unangemessen ist. Kirch ist ja nicht durch den Fußball in Schwierigkeiten geraten.

Sind Sie denn mit den teilweise horrenden Gehältern der Spieler glücklich?

Natürlich nicht! Doch das Problem sind nicht die Gehälter von Kahn oder Ballack. Solche Spieler sind jeden Euro wert, den sie verdienen. Das Problem sind die Gehälter der vielen durchschnittlichen Spieler bei den grauen Mäusen der Liga.

Die ganze Aufregung um die Kirch-Insolvenz und die Bürgschaften war also ein Sturm im Wasserglas?

Aus meiner Sicht ja. Ich habe ganz andere Probleme: Das Unentschieden gegen Werder Bremen hat mich mehr getroffen als das Thema Kirch. Die verpasste Qualifikation für die Champions League kann den Verein 25 Millionen Euro kosten. Für den deutschen Fußball insgesamt bin ich optimistisch: Da werden drei goldene Jahre bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 anbrechen.

Von Michael Geffken
Quelle: WirtschaftsWoche

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%