Bayern München emotionslos
Bayern: "Schale nur für ein Jahr an BVB ausgeliehen"

Beinahe emotionslos nahm der in den vergangenen Jahren vom Erfolg verwöhnte FC Bayern München sein Scheitern um die deutsche Meisterschaft hin. Denn die "Schale" sieht der Rekord-Champion nach dem verpassten, historischen vierten Titelgewinn in Folge ohnehin nur für eine Saison an Erzrivale Borussia Dortmund ausgeliehen.

dpa - MÜNCHEN. "Nächstes Jahr kommen mit Michael Ballack und Sebastian Deisler zwei absolute Top-Leute zu uns. Wir sind dann wieder hungrig. Ich kann mir vorstellen, dass wir nächste Saison relativ klar deutscher Meister werden", tönte Nationaltorhüter Oliver Kahn nach dem nutzlosen 3:2 (1:0)-Sieg gegen Hansa Rostock, und Uli Hoeneß setzte am Samstag gleich noch einen drauf: "Wenn jeder bei uns nur 15 Prozent besser spielt, werden wir nächstes Jahr ziemlich klar deutscher Meister", prophezeite der Manager einen Durchmarsch des Weltpokalsiegers.

Trotz solcher Sprüche erwiesen sich die Bayern als faire und einsichtige Verlierer. "Wir waren von den drei Mannschaften in diesem Jahr die spielerisch schlechteste", bemerkte Mehmet Scholl selbstkritisch. Trainer Ottmar Hitzfeld bilanzierte nüchtern: "Wir haben keinen Grund zum Feiern, weil wir außer dem Weltpokal keinen Titel mehr geholt haben." Die Glückwünsche an den ungeliebten BVB fielen dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge darum nicht allzu schwer: "Man muss anerkennen, dass Dortmund deutscher Meister geworden ist. Deshalb sage ich nicht: Mitleid mit Leverkusen, sondern herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund. Wenn man am Ende einen Punkt mehr hat, hat man es verdient", erklärte Rummenigge.

Die Bayern hatten in einem Jahr, das von Verletzungspech und den anhaltenden Diskussionen um den am Samstag von den 63 000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion mit tosendem Beifall verabschiedeten Kapitän Stefan Effenberg geprägt war, einfach nicht mehr als Platz drei verdient. Daran änderte auch der finale Heimsieg nichts mehr, bei dem der Rostocker Steffen Baumgart (39./Eigentor), der starke Scholl (56.) und Torjäger Giovane Elber (83.) die Münchner Tore erzielten. Für die wacker kämpfenden Rostocker verkürzten in der Schlussphase Kevin Hansen (81.) und Marcus Lantz (89.) zwei Mal.

"Ich bin froh, dass wir unter die ersten Drei gekommen sind", sagte Hitzfeld. Schließlich drohte vor Wochen kurzfristig sogar das Verpassen eines UEFA-Pokal-Platzes. Wenigstens das Minimalziel, die Champions-League-Qualifikation, wurde noch erreicht. "Wir mussten viele Krisen überstehen. Es war eine harte Saison, aber der FC Bayern ist nicht abgestürzt", stellte Hitzfeld erleichtert fest.

Nach dem Ende einer großen Mannschaft will der Rekordmeister im kommenden Spieljahr mit neuem Personal wieder voll angreifen. Ballack und Deisler sollen das Effenberg-Erbe antreten, beileibe kein leichtes Unterfangen. "Dem FC Bayern fehlt jetzt die Leader-Figur. So ein Spieler muss sich im zentralen Bereich in den nächsten Jahren erst wieder entwickeln", meinte Kahn. Hitzfeld drängt vehement auf mindestens noch zwei weitere neue Spieler, "um den Anforderungen im nächsten Jahr gerecht zu werden".

Der Brasilianer Ze Roberto von Bayer Leverkusen steht weiterhin ganz oben auf der Wunschliste. "Das wäre ein hervorragender Spieler, der uns weiterbringen würde", betonte Hitzfeld. Neben Effenberg und Paulo Sergio stehen dagegen Null-Tore-Stürmer Carsten Jancker und Edelreservist Ciriaco Sforza trotz Verträgen bis 2003 zum Verkauf.

In Rostock sind Profis dieser Gehaltsklasse auch für die nächste Saison kein Thema. Mit lediglich 34 Punkten wurde immerhin die Bundesliga-Zugehörigkeit für das siebte Jahr in Folge gesichert. Mehr war vor allem wegen der notorischen Auswärtsschwäche (13 Niederlagen in 17 Spielen) nicht drin. Für den im Winter als Nachfolger von Friedhelm Funkel verpflichteten Trainer Armin Veh war das letzte Saisonspiel ein Spiegelbild der gesamten Rückrunde. Das 0:1 war ein Eigentor, beim 0:2 patzte Andreas Jakobsson. "Typisch - auch heute haben wir uns die Niederlage selbst eingeschenkt", stönte Veh.

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