Bayern München will im Herbst starten
Fußball-Clubs vertreiben Finanzprodukte

Sie handeln nicht mehr nur mit Schals oder Trikots, sondern werden zunehmend auf dem Finanzmarkt aktiv: Fußball-Clubs widmen sich dem Geschäft mit Sparanlagen oder Kreditkarten. Jüngst vereinbarte der deutsche Meister Bayern München eine Zusammenarbeit mit der Hypo-Vereinsbank (HVB) und eifert damit dem englischen Rivalen Manchester United nach, der schon seit Jahren auf seiner Internet-Seite Sparverträge, Autoversicherungen oder Darlehen anbietet. "Wir gehen im deutschen Fußball in Sachen Finanzen neue Wege", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Das erste gemeinsame Produkt soll im Herbst auf den Markt kommen.

HB/dpa MÜNCHEN. In der Branche herrscht noch Skepsis vor. Thomas Dörflinger von der Landesbank Baden-Württemberg glaubt nicht an große Wirkungen durch solche Partnerschaften zwischen Bank und Club. "Für den normalen Fan ist das kein Grund die Bank zu wechseln", sagte er. Die Geldanlage mit Extra-Verzinsung, die zum Beispiel ManU anbietet, ist für ihn zum Beispiel "eine Spielerei, eine neue Wette auf sportliche Ergebnisse". Für die Bank werde es erst interessant, wenn es um Unternehmenskäufe oder einen Börsengang ihres Partner-Clubs gehe, sagte er. Nach Aussagen von Rummenigge würde die HVB als neue Hausbank des FCB im Fall eines Börsengangs "den Leadpart" übernehmen.

Der englische Meister bietet einige Beispiele, was im Bereich Finanzen und Fußball möglich ist. So zahlte ManU in Zusammenarbeit mit der MBNA Europa Bank den Anlegern in der vergangenen Saison eine Bonusverzinsung von 0,5 Prozent für das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League und gewährt in diesem Jahr einen Nachlass von zehn Pfund auf die Autoversicherung, wenn das Team mindestens 40 Auswärtstore erzielt. Einen speziellen Anreiz bietet das Projekt "RedRewards". Je nach Kreditkartenumsatz gibt es Lose und damit die Chance, Preise wie eine Führung durch das Old-Trafford-Stadion oder ein handsigniertes Trikot zu gewinnen.

Das erste vergleichbare Produkt in Deutschland soll nach Angaben von HVB-Sprecher Ralf Horak im Herbst auf den Markt kommen. Auf drei Punkte wolle das Unternehmen dabei achten. Zum einen sollen Anleger vom sportlichen Erfolg des FC Bayern profitieren: Für Sparer könnte es dann auf den Basis-Sparzins noch einen Extra-Zuschlag an Zinsen geben. Daneben sollen die Inhaber der FCB-Bankprodukte in den Genuss besonderer Leistungen kommen. "Zum Beispiel könnten unter diesen Kunden handsignierte Bälle oder Reisen mit der Mannschaft zu Auswärtsspielen verlost werden", sagte Horak. Emotional wolle die Bank die Kunden über das Vereinslogo und ein dementsprechendes Design der Sparkarte ansprechen.

Das Geschäft mit Bankkarten, auf denen das Vereinsemblem abgebildet wird, ist nicht neu. So arbeiten die Berliner Clubs Hertha BSC und Union mit der dortigen Volksbank zusammen. Hertha-Fans mit "Haut und Haaren", so wirbt die Bank, kämen an der Karte nicht vorbei. Neben den Eigenschaften einer normalen Bankkarte beinhaltet sie einen Fanartikel-Gutschein für 30 Euro, außerdem bringt sie dem Inhaber fünf Prozent Nachlass auf Fanartikel und Dauerkarten. Ähnlich sind die Konditionen bei der Union-Karte.

Die Citibank kooperiert mit Borussia Dortmund, dem 1. FC Kaiserslautern und Hansa Rostock und brachte eine VISA-Card mit Vereinswappen heraus. Über die normale Kreditkartenfunktion hinaus gibt es eine Stadionunfallversicherung für Heimspiele des jeweiligen Clubs. "Wir wollen mehr anbieten als klassisches Co-Branding", sagte HVB-Sprecher Horak. Ähnliche Kooperationen wie die zwischen dem bedeutendsten deutschen Fußball-Club und der zweitgrößten Bank in Deutschland könnten folgen. "Grundsätzlich kommen in jedem Fall die Brandnames der Branche für eine solche Partnerschaft in Frage", sagte Ingo Süßmilch von der WGZ-Bank.

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