Bayern-Spieler haben ihren Mannschaftsgeist wiedergefunden
In der Ruhe liegt die Kraft

Als der studierte Gymnasiallehrer Ottmar Hitzfeld am Montagmorgen bei der Arbeit erschien, herrschte Recht und Ordnung. "Guten Morgen", sprach er mit strengem Blick zu der versammelten Fangemeinde hinter der Absperrung, und artig hallte es "Guten Morgen" zurück. Niemand hätte sich gewundert, wenn Hitzfeld im nächsten Satz "Hefte raus, Klassenarbeit", gefordert hätte, aber so weit kam es nicht. Der Fußballlehrer hat derzeit andere Sorgen, umso mehr wird ihn die wichtigste Erkenntnis des 4:1-Sieges über Dortmund gefreut haben: Die Bayern haben ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden.

MÜNCHEN. Die kurzfristig anberaumte Mannschaftsfahrt nach Rottach-Egern hat die Kameradschaft aufgefrischt. "Der Geist vom Tegernsee", jauchzte der Boulevard, nachdem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eine Analogie zum Wunder von Bern geliefert hatte: "Der Geist von Spiez", der die Deutschen 1954 zum WM-Titel geführt haben soll, sei auch aus dem See gekommen, "jetzt war es halt der Tegernsee".

Wichtig sei gewesen, "dass die Spieler drei Tage zusammen waren, denn wenn man zusammen ist, ergeben sich auch ganz andere Gespräche", berichtete Hitzfeld über die intime Vorbereitungsphase. Allzu exotisch waren die Diskussionsinhalte freilich nicht; es ging um Fußball und die Frage, wie sich eine Mannschaft ihre ureigenste Qualität, das Selbstbewusstsein, zurückerarbeiten kann.

Offensichtlich haben sie die richtigen Argumente ausgetauscht, denn bei dem durch Tore von Michael Ballack, Willy Sagnol, Hasan Salihamidzic und Claudio Pizarro herausgeschossenen Sieg agierten die Münchner so überlegen, als hätten sie sich am Fuße der Alpen dauernd Sätze gesagt wie den, der Ballack nach dem Schlusspfiff glückte: "Jeder Spieler von uns muss verinnerlichen, wie gut er ist."

Wahrscheinlich bezog er auch Willy Sagnol in seinen Appell mit ein, der ihm vergangene Woche über eine französische Zeitung mitgeteilt hatte, Stefan Effenberg sei im Vergleich der bessere Führungsspieler gewesen. "Das war keine Kritik", korrigierte sich Sagnol nun, Ballack werde noch in diese Rolle hineinwachsen. Gegen Dortmund war Ballack der überragende Spieler auf dem Platz. Auch Sagnol hatte großen Anteil an dem Sieg, war selbst mit mehr Freiheiten ausgestattet und nutzte diese an der Seite von Sebastian Deisler konsequent.

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