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Bayern suchen Form - Rückschlag für Deisler

Die Champions-League-Reise des FC Bayern München zum Gipfel-Duell mit Juventus Turin wird vom gesundheitlichen Rückschlag von Sebastian Deisler überschattet.

dpa TURIN. Die Champions-League-Reise des FC Bayern München zum Gipfel-Duell mit Juventus Turin wird vom gesundheitlichen Rückschlag von Sebastian Deisler überschattet.

Der 24 Jahre alte Fußball-Nationalspieler, der im vergangenen Jahr in einer Spezialklinik wegen Depressionen und psychologischen Problemen behandelt wurde, reiste nur wenige Stunden nach der Ankunft in Turin völlig unerwartet wegen erneuter gesundheitlicher Probleme nach München zurück. "Er hat mich nach dem Mittagessen zu einem Gespräch gebeten und gesagt, dass er sich nicht wohlfühlt. Er wird am Dienstag zur Behandlung zu Professor Florian Holzboer gehen", sagte Manager Uli Hoeneß beim Abschlusstraining im delle Alpi-Stadion.

Im November 2003 hatte sich der Mittelfeldakteur für mehrere Wochen zur stationären Behandlung bei dem Münchner Mediziner im Max-Planck-Institut für Psychiatrie begeben müssen. Hoeneß wollte jedoch keine Parallele zu damals ziehen. "Es ist nicht akut, sonst hätten wir ihn nicht alleine fliegen lassen", beschwichtigte der dennoch sichtlich betroffene Manager. Für Magath war Deisler schon vor dessen Abreise das Sorgenkind im Team. Der Tageszeitung "Die Welt" sagte der Coach: "Es ist schade, dass ich nicht verhindern konnte, dass er in eine solche Drucksituation gekommen ist, die ihm nun schadet. Es wäre von Anfang an wichtig gewesen, dass Deisler Zeit bekommt, um sich zu stabilisieren. Jetzt ist er verunsichert."

Nach der völlig verpatzten Generalprobe gegen Schalke 04 (0:1) war die Stimmung ohnehin äußerst angespannt und Owen Hargreaves Magaths Bauernopfer. Doch von einer Krise darf keiner reden: Ausgerechnet im Hit in Turin will Bayern seinen großen Liga-Frust bekämpfen und die bislang nur in Europas Königsklasse gezeigte Galaform wiederfinden. Nach den Siegen bei Maccabi Tel Aviv (1:0) und gegen Ajax Amsterdam (4:0) könnte der deutsche Rekordmeister gegen die ebenfalls zwei Mal siegreichen Italiener einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen.

"Es wäre gut, wenn wir jetzt punkten könnten. Dann hätten wir gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Das wäre schon die halbe Miete", sagte Magath. In einer fast zweistündigen Aussprache am Sonntag hatte er der Mannschaft seinen Unmut über die Rückkehr zum Stotter-Stil gegen Schalke verdeutlicht. Die überraschende Streichung von Englands Nationalspieler Hargreaves aus dem Kader wollte der Trainer aber nicht begründen. "Das hat es vorher schon gegeben, dass Spieler mal nicht dabei sind", sagte er lapidar.

Während ihm seine Spieler offenbar weiter Rätsel aufgeben, hat er einen besonderen Grund für Optimismus ausgemacht. Gerne bezeichnet er sich als Schreckgespenst der "Alten Dame". Noch heute werde er in Italien immer wieder auf sein Tor zum 1:0-Sieg für den Hamburger SV im Europapokalfinale 1983 gegen "Juve" angesprochen. "Turin liegt mir einfach", sagte Magath.

Von der sportlichen Führung gab es am Montag keinen Kommentar zur derzeit unbefriedigenden Form. Hoeneß schwieg beharrlich. Präsident Franz Beckenbauer versicherte, dass die Mannschaft sich in Turin sicher anders präsentieren werde, und auch Karl-Heinz Rummenigge setzt auf einen Leistungsschub. Der Vorstandschef warnte aber vor dem souveränen Tabellenführer der Serie A. "Das ist das schwerste Spiel in unserer Gruppe. Wir müssen uns sicher steigern."

Während selbst die Leitfiguren Oliver Kahn und Michael Ballack unverhohlen mahnen, sieht Magath die Bayern weiter "auf einem guten Weg". Obwohl ihm seine Spieler keine passenden Argumente lieferten, versprach er einen Offensiv-Stil. "Wir werden uns nicht hinten reinstellen und die Daumen drücken, dass die Topleute von denen nicht treffen. Wir wollen selber Chancen kreieren."

Allerdings hat er gerade im Angriff kaum Alternativen. Claudio Pizarro trat die Reise nach Turin wegen seiner Rückenprobleme wie Roque Santa Cruz und Alexander Zickler nicht an. Immerhin Vahid Hashemian hat seine Knöchelprellung auskuriert und wird wohl neben Roy Makaay als zweite Spitze spielen können. Auch Ze Roberto hat seine Länderspiel-Müdigkeit überwunden und wird wieder mitwirken.

Wie Magath plagen auch Turins Trainer Fabio Capello vor dem ersten Duell der Traditionsclubs Sorgen in der Offensivabteilung. David Trezeguet ist weiter verletzt, Alessandro del Pierro noch nicht fit. Laut Magath hat der Ausfall des prominenten Sturmduos für den von Doping-Anschuldigungen belasteten italienischen Rekordmeister aber wenig Bedeutung. "Sie haben vorne viele tolle Leute, die immer ein Tor machen können. Eins machen sie immer, aber damit begnügen sie sich dann auch. Damit sind sie dann zufrieden."

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