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Bayern verliert Deco-Poker

Lissabon/München (dpa) - Der FC Bayern München hat den Poker um den portugiesischen Mittelfeld-Regisseur Deco verloren und nun offenbar wieder gesteigertes Interesse an einem Verbleib von Michael Ballack.

Lissabon/München (dpa) - Der FC Bayern München hat den Poker um den portugiesischen Mittelfeld-Regisseur Deco verloren und nun offenbar wieder gesteigertes Interesse an einem Verbleib von Michael Ballack.

«Um das klar zu sagen: Wir wollen Ballack nicht abgeben!», betonte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer in der «Bild»-Zeitung und erhöhte die vermeintliche «Schmerzgrenze» des deutschen Fußball-Rekordmeisters für einen Wechsel Ballacks zum FC Barcelona auf eine utopische Summe. «Die liegt so bei 100 Millionen Euro....». Am Vortag hatte er noch 50 Millionen Euro angegeben.

Beckenbauer, einst einer der größten Ballack-Kritiker bei den Bayern, wiederholte nun mehrfach seine Wertschätzung für den 27- Jährigen. «Wie wertvoll Michael Ballack ist, haben wir doch gegen Holland gesehen. Jetzt ist er hundertprozentig fit, konditionell voll da. Auf seiner Position gibt es in Deutschland keine Alternative», meinte der Münchner Präsident. «Es wäre mir lieber, Ballack würde bleiben», sagte er bei einem Sponsoren-Termin in Porto und bezog auch den ebenfalls wechselwilligen Kollegen Oliver Kahn ein: «Wenn es nach mir ginge, sollen sie alle bleiben.»

Nachdem die Münchner Torsten Frings von Borussia Dortmund für neun Millionen Euro verpflichtet hatten, zerschlugen sich die Hoffnungen auf eine weitere prominente Verpflichtung für das Bayern-Mittelfeld. Wunschspieler Deco gab nach dem 2:0-Sieg Portugals gegen Russland in Lissabon seinen Wechsel zum englischen Branchenriesen FC Chelsea bekannt. «Wir haben praktisch alle Fragen geklärt. Ich muss noch die medizinischen Untersuchungen machen und den Vertrag unterschreiben. Das wird nach der EM passieren», sagte Portugals Mittelfeldstar von Champions-League-Sieger FC Porto.

Spanischen Presseberichten zu Folge sollen die Bayern 20 Millionen Euro für Deco geboten haben. Allerdings haben sie nun für ihre vier Neuzugänge Frings (9), Lucio (12), Andreas Görlitz (2,5) und Vahid Hashemian (2) schon mehr als 25 Millionen Euro ausgegeben. «Wir haben ganz gut eingekauft. Ich glaube nicht, dass wir da noch Geld übrig haben», sagte Beckenbauer dazu.

Auch der neue Bayern-Trainer Felix Magath dürfte über Decos Entscheidung nicht allzu traurig sein. Auf die Frage, ob die Bayern den Portugiesen überhaupt noch für das Mittelfeld brauchen, antwortete Magath im Interview mit der Münchner «Abendzeitung»: «Ich denke nicht. Das ist ja eine finanzielle Frage. Wir haben uns adäquat verstärkt, ich bin mit den personellen Planungen sehr zufrieden.» Mit dem aktuellen Kader sieht er große Möglichkeiten: «Mit dieser Mannschaft können wir wirklich was erreichen.» Dabei geht er auch von Kahns Bleiben aus: «Ach, das nehme ich gar nicht so ernst, was Kahn da gesagt hat.»

Der gebürtige Brasilianer Deco folgt nun seinem bisherigen Trainer José Mourinho, der FC Porto ebenfalls zum FC Chelsea wechselt. «Ich wollte zu einem Verein gehen, der mir die Bedingungen bietet, wie ich sie im Lauf der Jahre beim FC Porto vorgefunden habe», begründete Deco seine Entscheidung. Um den 26-Jährigen hatte sich neben dem FC Bayern auch der FC Barcelona bemüht.

Auch Ballack wird seit Wochen von «Barça» umworben; sein Vertrag läuft noch bis 2006. Aber Unstimmigkeiten zwischen dem Mittelfeldstar und den Bayern-Verantwortlichen hatten die Spekulationen um einen möglichen Weggang verstärkt. Nun zeichnet sich eine Wende ab. Ballack werde aus der Leistung gegen die Niederlande Selbstbewusstsein ziehen, schrieb Magath in einer Kolumne im «Hamburger Abendblatt», verbunden mit dem Wunsch: «Weil er diese Qualitäten hat, wäre es schade, wenn der den FC Bayern in Richtung FC Barcelona verließe. Er sollte sich in München noch eine Chance geben.»

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