Bayerns Ministerpräsident Stoiber schweigt
Versteckspiel um Leo Kirchs schwierige Finanzsituation

Die finanziell in Bedrängnis geratene Kirch-Gruppe kämpft gegen die Zeit. Doch weder das Unternehmen noch die Banken wollen sich offiziell zu der Frage äußern, ob dem Konzern wegen fällig werdender Kredite die Puste auszugehen droht.

HB hps/mwb/sm MÜNCHEN/DÜSSELDORF/BERLIN. Auch die Bayerische Landesregierung bezieht keine Stellung, während die Bundesregierung in Deckung bleibt. Ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) erklärte nur: "Bisher sind bei der Bundesregierung noch keine Gesprächswünsche der Kirch-Gruppe eingegangen." Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dürfte indes wenig Lust verspüren, gerade dem Medienkonzern zu helfen, den Edmund Stoiber (CSU), sein möglicher Herausforderer bei der Bundestagswahl, jahrelang medienpolitisch unterstützt hat.

Medienberichten zu Folge wollen Großbanken dem verschuldeten Kirchkonzern schon bald Kredite kündigen. Gleichzeitig heißt es, dass der News Corp.-Konzern des Australiers Murdoch Interesse an einer Übernahme habe. Doch hofft Konzernpatriarch Leo Kirch offensichtlich, den auslaufenden 900 Mill.-DM-Kredit der Dresdner Bank noch umschichten zu können.

Murdochs News Corp. dementierte inzwischen den Übernahme-Versuch. Offen ist aber weiterhin, ob Murdoch bereit ist, Kirchs defizitäres Bezahlfernsehen Premiere World weiter zu unterstützen. Murdoch hält eine Schachtelbeteiligung an dem Sender, hat aber eine Verkaufsoption an Kirch. Sollte Murdoch davon Gebrauch machen, müsste Kirch im Oktober 2002 weitere 2 Mrd. DM aufbringen. Die Lage des mit mindestens 7 Mrd. DM verschuldeten Konzerns würde dann noch prekärer.

Wie eng es für Kirch geworden ist, belegen Verkaufsgespräche. So versuchen die Münchener neben dem spanischen Sender Telecinco auch andere Beteiligungen zu veräußern. Auf der Verkaufsliste steht offenbar die Softwaretochter Beta Research GmbH. "Gespräche mit interessierten Unternehmen sind geführt worden", sagte ein Unternehmenssprecher. Beta Research entwickelte für Kirch das Empfangsgerät (D-Box) für das Bezahlfernsehen. Ein Verkauf an die Deutsche Telekom scheiterte im Februar.

Zu Spekulationen, Kirch wolle das Kräftemessen mit Murdoch medienpolitisch für sich nutzen, erklärte ein Konzernsprecher: "Wir haben bisher nur reagiert und nicht agiert." Nach außen versucht man derzeit ein Bild der Ruhe zu vermitteln. Die Verschmelzung der mit 2,2 Mrd. Euro hoch verschuldeten Kirch Media mit der Pro Sieben Sat 1 Media AG werde planmäßig vorangetrieben, hieß es aus der Konzernzentrale. Gestern wurde im Zuge der für Juni geplanten Fusion die Kirch Media GmbH & Co. KGaA - Herzstück des Konzerns - in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Wie bereits im Herbst angekündigt, wurde der 53-jährige Kirch-Intimus Jan Mojto zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Der bisherige Kirch-Media-Chef, Spezialist für Film- und TV-Produktionen, galt lange Zeit als Kronprinz für die Konzernspitze. Doch ein anderer Kirch-Favorit, Dieter Hahn (40), entschied bereits letztes Jahr diesen Machtkampf für sich. Er gilt als Nachfolger des 75-jährigen, gesundheitlich angeschlagenen Leo Kirch. Hahn wird nun als Vorstandschef des neuen Fernsehkonzerns, in dem auch die Film- und Fernsehproduktion und der Rechthandel konzentriert sein werden, führen. Vizechef der Kirch-Media wurde der frühere Sat1-Chef Fred Kogel (40), der für Produktion und Handel zuständig sein wird.

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