Bayerns SPD-Spitzenkandidat
Maget träumt von der Macht

Mit Hilfe einer Viererkoalition strebt Bayerns SPD-Oppositionsführer Franz Maget nach der Macht im weißblauen Freistaat: Ein Bündnis aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP soll es richten. Ministerpräsident wird der Herausforderer von CSU-Amtsinhaber Günther Beckstein nach der Landtagswahl am 28. September wohl aber trotzdem nicht werden.

MÜNCHEN. Im Mai hatte Franz Maget eines seiner seltenen Erfolgserlebnisse. Auf dem Höhepunkt der Krise um die Bayerische Landesbank war der Chef der SPD-Landtagsfraktion auf den Spuren der verlorenen Milliarden mit großem Journalistengefolge in die USA gereist. In Washington besorgte ihm sein Sprecher ein Obama-T-Shirt, mit dem der trainierte Hobbyläufer Maget vor das Weiße Haus joggte. Fast alle Zeitungen in der bayerischen Heimat druckten das Foto, das Assoziationen mit Gerhard Schröders unvergessenem Spruch "Ich will da rein" vor dem Kanzleramt weckte.

Inzwischen verwenden seine Gegner die Inszenierung gern gegen Maget. "Nur peinlich" sei es, wie sich der 20-Prozent-Oppositionsmann aus dem Münchner Arbeiterstadtteil Milbertshofen zum Hoffnungsträger stilisiere, höhnte Ministerpräsident Beckstein unlängst beim CSU-Parteitag in Nürnberg. Und CSU-Chef Erwin Huber hatte seinen einzigen Lacher, als er das Regenbogenbündnis des schmalbrüstigen T-Shirt-Trägers auf die Schippe nahm.

Maget erträgt es gelassen. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn reibt sich die CSU an ihm. Für Edmund Stoiber war er Luft. In keiner Rede kam er vor. Stoiber hielt es da mit seinem Lehrmeister Franz Josef Strauß, der sich mit Schmidt, Genscher und Kohl auseinander setzte. Stoiber verhandelte mit Schröder, Merkel und Westerwelle. Beckstein hingegen spricht über Maget, dessen SPD bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2003 nur 19,6 Prozent erreicht. Im September kommt es zwischen beiden sogar zum TV-Duell.

Das hat das Selbstbewusstsein des so oft als liebenswerter Leichtmatrose eingestuften Herausforderers drastisch gesteigert. Früher verkroch sich der SPD-Fraktionschef im Landtag oft am Rednerpult, wenn er dem übermächtigen Stoiber gegenübertrat. Bei dessen Nachfolger sieht sich Maget auf Augenhöhe. Schon legendär ist in Bayern seine Antwort auf Becksteins fade Regierungserklärung, die der Oppositionsführer mit den Worten zerfetzte: "Man möchte rufen: Edmund, hilf!"

Die in Umfragen zwischenzeitlich bis auf 48 Prozent zurückgefallene CSU reagiert im Wahlkampf zunehmend aggressiv. Immer lauter warnen Beckstein und Huber vor Magets aus der Not geborenen "Viererbande", mit der die Ablösung der CSU rein rechnerisch gelingen könnte. Die - für zehn Prozent guten - Grünen hatten Maget bekniet, der Regierungspartei keine solche Vorlage zu liefern: Die von der CSU als Schreckgespenst an die Wand gemalten "hessischen Verhältnisse" sind in Bayern unerwünscht.

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