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Bayreuther «Rheingold» als Kampf der Bosse

Bayreuth (dpa) - Als einen Kampf gieriger Bosse um Macht und Gold interpretiert Regisseur Jürgen Flimm Richard Wagners Oper «Das Rheingold», den Auftakt zur Tetralogie «Der Ring des Nibelungen». Jubel gab es bei der Premiere im Bayreuther Festspielhaus für die Sänger.

Bayreuth (dpa) - Als einen Kampf gieriger Bosse um Macht und Gold interpretiert Regisseur Jürgen Flimm Richard Wagners Oper «Das Rheingold», den Auftakt zur Tetralogie «Der Ring des Nibelungen». Jubel gab es bei der Premiere im Bayreuther Festspielhaus für die Sänger.

Aus dem engagierten Sängerensemble ragten Hartmut Welker als Alberich, Arnold Bezuyen als Loge und Simone Schröder als Erda heraus. Auch Dirigent Adam Fischer, der das Festspielorchester mit viel Gespür für die Belange der Sänger führte, wurde bejubelt.

Göttervater Wotan (markant: Alan Titus) und Alberich, Herrscher im Zwergenreich der Nibelungen, sind die beiden Gegenspieler im «Rheingold». Im Vorteil ist zunächst Alberich - hat er doch die Liebe verflucht, den Rheintöchtern das Gold geraubt und den Ring geschmiedet, der ihm «maßlose Macht» verspricht.

Vom noblen Chefzimmer aus schikaniert er seinen Bruder Mime (Michael Howard) und regiert mit harter Hand die Nibelungen, ein Heer roboterhafter Gestalten, die mit weißen Schutzanzügen im Labor sitzen und dort womöglich die Formel für die Herstellung von Gold austüfteln sollen.

Doch Macht schützt vor Dummheit nicht. Wotan, der sich von den Riesen die Götterburg Walhall hat bauen lassen und sie nun mit dem Rheingold bezahlen muss, fährt im Lift hinab ins Reich der Nibelungen. Geleitet vom listigen Loge, übertölpelt er Alberich und nimmt ihn gefangen.

In einer Art Bergwerk, zwischen kahlen Betonwänden (Bühnenbild: Erich Wonder), kommt es zum Showdown. Alles muss Alberich hergeben, zuletzt den Ring, doch in einer großen Szene verflucht er ihn: «Tod dem, der ihn trägt!» Der Fluch erfüllt sich schnell. Der Riese Fasolt (Johann Tilli) ist das erste Opfer, erschlagen vom eigenen Bruder Fafner (Philip Kang), der mit Hort und Ring von dannen zieht, während die Götter unter Nebelschwaden feierlich in die fern aufragende Burg Walhall einziehen - ihrem Ende entgegen.

Im «Rheingold» hat Jürgen Flimm eine schlüssige Interpretation gefunden. Die Aufführung, die bereits im fünften Jahr gezeigt wird, hat nichts von ihrer Frische und Aktualität verloren. Die Sänger sind gut geführt und agieren mit erkennbarer Spielfreude - ob nun die Rheintöchter Caroline Stein, Daniela Sindram und Sarah Castle als neckische Badenixen, Mihoko Fujimura als gestrenge Göttergattin Fricka, Anja Kampe als blond-naive Freia oder Olaf Bär und Endrik Wottrich als kraftlose Götter Donner und Froh.

Fast die gesamte Sängerriege hat schon mehrjährige Erfahrung mit diesem «Rheingold». Das gilt auch für Adam Fischer, der vom leisen Rauschen des Rheins bis zu den mächtigen Klangsäulen Walhalls mit Ruhe und Übersicht durch das Werk steuert.

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