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Bayreuther «Ring» rundet sich - Ovationen für «Walküre»

Bayreuth (dpa) - Mit Ovationen hat das Publikum die Premiere der «Walküre» im Bayreuther Festspielhaus gefeiert. Regisseur Jürgen Flimm erzählt im zweiten Teil von Richard Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» in dichten, spannenden Bildern die Geschichte von Geschwisterliebe, Mord und Verbannung. Glänzende sängerische Leistungen rundeten eine Aufführung ab, die zu den Höhepunkten der diesjährigen Festspielsaison zählen dürfte.

Bayreuth (dpa) - Mit Ovationen hat das Publikum die Premiere der «Walküre» im Bayreuther Festspielhaus gefeiert. Regisseur Jürgen Flimm erzählt im zweiten Teil von Richard Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» in dichten, spannenden Bildern die Geschichte von Geschwisterliebe, Mord und Verbannung. Glänzende sängerische Leistungen rundeten eine Aufführung ab, die zu den Höhepunkten der diesjährigen Festspielsaison zählen dürfte.

Richard Wagner kannte schon vor 150 Jahren, als er die «Walküre» dichtete und komponierte, kein Tabu: Denn nichts anderes als Inzest und Ehebruch ist jene gewaltige Liebesszene - «so blühe denn, Wälsungenblut!» - zwischen Siegmund und Sieglinde, die den ersten Akt beschließt. Auf dem Fußboden des großbürgerlich eingerichteten Wohnzimmers, zwischen Mahagonitischchen und Kanapee, finden die Zwillinge einander, während der finstere Hunding, von Philip Kang gewohnt zuverlässig dargestellt, betäubt im Nebenzimmer schläft. Robert Dean Smith sang den Siegmund konzentriert, wenn auch ohne den ganz großen tenoralen Glanz. Die «neue» Bayreuther Sieglinde Eva Johansson bestach mit klarem Sopran.

Doch von kurzer Dauer ist das Liebesglück. Denn schon hat Fricka, Hüterin der Ehe, von der Sache Wind bekommen. Den Schnellhefter mit dem Dossier in der Hand, sucht sie ihren Gemahl Wotan in dessen Schaltzentrale in Walhall auf. Roter Teppich, schwarze Ledersessel, Wasserspender - doch die Insignien der Macht helfen nichts. Mihoko Fujimura hat hier als betrogene, tief gekränkte Fricka mit stählerner Stimme ihren großen Auftritt und macht den von Alan Titus brillant dargestellten und kraftvoll gesungenen Götterchef förmlich zur Schnecke. In Verträgen gefangen, gibt er zähneknirschend den Eid: Siegmund - sein eigener Sohn - falle.

Auch Brünnhilde (Evelyn Herlitzius), Lieblingstochter und-walküre, darf ihn nicht schützen. Doch sie, bewegt von der Geschwisterliebe, widersetzt sich. Wotan selbst greift ein, schaut kaltblütig zu, wie Hunding den Siegmund tötet. Furchtbar bestraft er Brünnhilde, stößt sie von sich: «Wunschmaid bist du nicht mehr, Walküre bist du gewesen.» In den monumentalen, kalten Stahlzylinder, der die Bühne erst als Walhall, dann als Walkürenfelsen beherrscht (Bühnenbild: Erich Wonder), wird sie nun eingeschlossen. Nur eines ringt sie ihm - in einer von Herlitzius berührend gestalteten Szene - ab: Nicht der Erstbeste wird sie zur Frau nehmen. Ein Held muss es sein, der das Feuer durchschreitet, mit dem Wotan sie umschließt.

Adam Fischer ist, das hat er im Bayreuther Orchestergraben schon mehrfach bewiesen, eher ein Dirigent der leisen Töne. Das Pathos ist seine Sache nicht. Mit dem gut aufgelegten Festspielorchester begleitete er die Sänger behutsam und unaufgeregt und trug so wesentlich zu einem musikalisch faszinierenden Abend bei. Der Bayreuther «Ring» rundet sich - nach dem respektablen Auftakt mit «Rheingold» markierte die «Walküre» eine weitere Steigerung.

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