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Bayreuther «Siegfried» verharrt im Mittelmaß

Bayreuth (dpa) - Mit einer über weite Strecken im Mittelmaß verharrenden Aufführung der Oper «Siegfried» ist bei den Bayreuther Festspielen Richard Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» fortgesetzt worden. Unter dem zeitweise allzu verhaltenen Dirigat von Adam Fischer gefielen Evelyn Herlitzius als Brünnhilde und Alan Titus als Wanderer.

Bayreuth (dpa) - Mit einer über weite Strecken im Mittelmaß verharrenden Aufführung der Oper «Siegfried» ist bei den Bayreuther Festspielen Richard Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» fortgesetzt worden. Unter dem zeitweise allzu verhaltenen Dirigat von Adam Fischer gefielen Evelyn Herlitzius als Brünnhilde und Alan Titus als Wanderer.

Christian Franz gab den Siegfried nicht nur als Kraftprotz, sondern verlieh ihm auch traurig-melancholische Züge. Jedoch offenbarte der Tenor auch stimmliche Schwächen.

Dreieinhalb Stunden lang treibt Richard Wagner im «Siegfried» den Zuschauer unerbittlich durch mäßig spannende Monologe und Dialoge, ehe er zur längsten und wohl ergreifendsten Liebesszene der Operngeschichte ansetzt. In dem gewaltigen Schlussstück dauert es aber noch einmal eine Dreiviertelstunde von der Erweckung Brünnhildes durch Siegfried bis zum ekstatischen Jubel «Leuchtende Liebe, lachender Tod!». Ohne ein tragendes Regiekonzept kommt es da schnell zu Längen und Durchhängern.

Eine schlüssige Interpretation bleibt die Inszenierung von Jürgen Flimm aber schuldig. Was im «Rheingold» und in der «Walküre» faszinierend zu beobachten ist, nämlich die genaue, psychologisch begründete Personenführung, funktioniert hier nicht mehr. Immer wieder hat man im Laufe der Jahre die Szenen überarbeitet, besser sind sie dadurch nicht geworden. Vor Fafners Höhle lässt das Regieteam nun ein als bayerisches Engerl in Lederhosen verkleidetes Waldvögelein (Robin Johannsen) wild herumspringen. Alberichs Sohn Hagen schleicht über die Bühne, Fafner (Philip Kang) rollt als Sterbender im Rollstuhl heran, während die Drachenhaut nur widerwillig im Untergrund verschwindet. All das macht einen wirren und konzeptlosen Eindruck. Etwas mehr Spannung vermittelt lediglich der Schlussakt, wenn der Wanderer in den Trümmern von Walhall auf Erda und den heranstürmenden Siegfried trifft.

Auch musikalisch blieb «Siegfried» vieles schuldig. Festspielformat erreichten - neben Simone Schröder als wunderbarer Erda - zeitweise noch Evelyn Herlitzius als Brünnhilde mit anrührenden lyrischen Passagen und Alan Titus als facettenreicher Wanderer. Christian Franz in der Titelrolle sang vor allem mit Kraft und traf die Töne nicht immer. Vervollständigt wurde die Sängerriege von Hartmut Welker als Alberich und Graham Clark als Mime. Dem Dirigenten Adam Fischer wäre mehr Dynamik und Wucht zu wünschen gewesen, wie sie etwa in der Notung-Szene angelegt sind. Auch leistete sich das Festspielorchester einige kleine Patzer.

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