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BDI dringt auf Präzisierung des Rating-Kodex

Die deutsche Industrie dringt im Entwurf des Verhaltenskodex der Internationalen Organisation der ...

Die deutsche Industrie dringt im Entwurf des Verhaltenskodex der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco) für Ratingagenturen auf Präzisierung und Ergänzung wesentlicher Aspekte.
Der Entwurf des "Code of Conduct" enthalte wichtige "Fundamentals", die Vergleichbarkeit und Transparenz von Ratingentscheidungen sowie Fairness und Effizienz im Ratingprozess verbessern können, schreibt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in seiner Stellungnahme an die Iosco, so eine Meldung der Börsen-Zeitung vom 6. 11. 2004. Der Verbund der Aufseher hatte zu seinem Entwurf des Verhaltenskodex, der auf den bisherigen Leitlinien basiert, bis zum 8. November um Stellungnahme gebeten.
Die Ratingagenturen sollen nach Auffassung des BDI nicht in ein Korsett von Vorschriften gezwängt werden, da sonst manche Gestaltungsspielräume, die aus Emittentensicht ihren Vorzug hätten, eingeschränkt würden. Je strikter die Anforderungen an eine möglichst hohe Ratingqualität, umso größer seien auch die Marktbarrieren, die intensivem Wettbewerb zwischen den Ratingagenturen im Wege stehen würden. Damit würde ein wichtiges Ziel, die Qualität der Ratingentscheidungen zu verbessern, verfehlt. Staatliche Eingriffe sollten deshalb allenfalls "ultima ratio" sein, so der BDI.
Hausphilosophie bewahren:
Auch bei den methodischen Ansätzen und angewandten Verfahren tritt der BDI für nicht zu strenge Vorgaben ein. Jede Ratingagentur solle ihre eigene Hausphilosophie weiter verfolgen dürfen. Zwar sollten Mindeststandards eingehalten und die Agenturen zu zumutbaren Organisationsprinzipien verpflichtet werden, doch könne der Iosco-Kodex dafür nur als "Blaupause" dienen.
Zugleich müssten wirksame Vorkehrungen getroffen werden, damit die Ratingagenturen den Kodex auch einhielten. Der BDI ist überzeugt, dass allein von der Existenz des Kodex schon eine disziplinierende Wirkung ausginge. Deshalb sei in einem ersten Schritt auf die Selbstregulierung des Marktes zu vertrauen. Im Fall negativer Erfahrungen sollten jedoch bei einer späteren Bestandsaufnahme formelle regulatorische Schritte nicht ausgeschlossen werden.
Einblick für den Emittenten:
Im Einzelnen dringt der BDI auf Einblick des Emittenten in die Berechnungen der Agentur und auch auf Information des Emittenten vor Veröffentlichung der Ergebnisse. Gewährleistet müsse auch sein, dass die Ratingmethodik zu international vergleichbaren Ergebnissen führe. Regionale Besonderheiten mir Blick auf verschiedene Geschäftsmodelle, Bilanzierung oder Besteuerung sollten angemessen einfließen.
Stringentere Formulierungen im Kodex wünscht sich der BDI bei den Vorgaben zu Vermeidung von Interessenkonflikten. Die Vorkehrungen dafür - z.B. die Trennung der Ratinganalyse von anderen Geschäftssparten oder die Untersagung von Geschäften mit kapitalmäßig verflochtenen Unternehmen - müssten intern in den Ratingagenturen dokumentiert und als Anforderung im Kodex verankert werden.
Erweitert werden soll die Diskusion um den Punkt, ob bei vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Fehlurteilen im Fall von unbestellten Ratings der Emittent Schadenersatzansprüche hat. Diese Frage will der BDI zumindest geprüft wissen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 23.11.2004

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