BDI-Präsident Thumann
Der Industrie-Promi und seine Spedition im Sauerland

Wenn eine kleine Spedition im Sauerland mit nicht einmal 70 Beschäftigten vor der Pleite steht, ist das keine Nachricht von großer Relevanz. Anders verhält es sich, wenn sich hinter der Spedition ein prominenter Name verbirgt. So wie im Fall der Spedition Dehnhardt, die dem Reich von BDI-Präsident Jürgen Thumann zuzuordnen ist. Prompt hagelt es Kritik.

BERLIN. Deren drohende Insolvenz wird sogar von den Nachrichtenagenturen aufgegriffen. Die gp cargo GmbH & Co. KG, die die Spedition Dehnhardt betreibt, "beabsichtigt die Beendigung des Geschäftsbetriebes", heißt es in der Pressemitteilung einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei vom Freitag. Gesellschafterin von gp cargo ist die Thumann KG des BDI-Präsidenten.

Dem Betriebsrat des Unternehmens kommt die Prominenz des Eigentümers gerade gelegen. Wäre seine Kritik am Management unter normalen Umständen ungehört verhallt, so findet sie nun bundesweit Beachtung. Betriebsratschef Peter Trapp spricht von schweren Fehlern. Es sei jahrelang nichts investiert worden. An Arbeit mangele es dagegen nicht. "Wir sind auftragsmäßig voll ausgelastet", sagt Trapp. Allerdings seien die Kosten immens. Dies liege beispielsweise daran, dass seit dem Jahr 2000 keine neuen Fahrzeuge angeschafft worden seien. "Da laufen enorme Reparaturkosten auf", sagte Trapp. Thumann selbst habe sich nicht gekümmert. Er habe den BDI-Chef nur einmal am Firmensitz Meinerzhagen gesehen.

Thumann kommentiert den Vorgang nicht, der BDI verweist schmallippig auf die Pressemitteilung der Anwälte. Dort heißt es, die Spedition arbeite "auf Grund von Veränderungen im Speditionsmarkt seit Jahren mit Verlusten, die auch durch Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden konnten". Auf Deutsch: Osteuropäische Spediteure machen den Job billiger. Man habe der Belegschaft den Vorschlag gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, deren Finanzierung die gp cargo und ihre Gesellschafterin übernehmen sollten. "Der Vorschlag wurde vom Betriebsrat mit der Forderung zusätzlicher Mittel abgelehnt", schließt die Pressemitteilung.

Nach Darstellung Trapps war der BDI-Chef bereit, die Auffanggesellschaft mit einer Million Euro auszustatten, was eine Beschäftigung der 69 Mitarbeiter für acht bis zehn Monate garantiert hätte. "Das ist viel zu wenig", befand der Betriebsrat. Die Belegschaft habe daher weitere 400 000 Euro für Qualifizierungsmaßnahmen gefordert. An diesem Punkt seien die Verhandlungen gescheitert.

Die Anwälte des BDI-Präsidenten betonen, die Spedition gehöre nicht zum Geschäftsbetrieb der Heitkamp-&-Thumann-Gruppe, unter deren Dach 25 mittelständische Unternehmen mit insgesamt etwa 2 300 Mitarbeitern vereint sind. Das Unternehmen unterhält Standorte in Europa, den USA und Asien. Die Heitkamp-&-Thumann-Gruppe ist Weltmarktführer bei Batteriehülsen und Aerosoldosen. Außerdem ist das Unternehmen ein erfolgreicher Automobilzulieferer.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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