BDI-Vizepräsident verweist auf 1,2 Millionen offene Stellen in Deutschland
Henkel nennt Haltung der Union zur Zuwanderung "Quatsch"

Der Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hat die Abwehrhaltung der Union bei der Zuwanderung als "Quatsch" bezeichnet. Wenn die Partei in Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Otto Schily von einer ungebremsten Zuwanderung spreche, sei dies auch sachlich nicht richtig, sagte Henkel der "Sächsischen Zeitung".

ap DRESDEN. "Es ist für mich eine bestürzende Erfahrung, wie unverantwortlich einige Unionspolitiker davon reden, den Zuwanderern werde mit dem neuen Gesetz Tür und Tor geöffnet," erklärte der langjährige BDI-Präsident.

CDU und CSU verkürzten diese Frage auf die einfache Formel, dass man bei vier Millionen Arbeitslosen überhaupt keine Einwanderer mehr benötige. Das sei jedoch falsch. Nach Ansicht von Henkel muss man der Zahl an Einwanderer auch die 1,2 Millionen an offenen Stellen gegenüberstellen. "Wir haben vor allem nicht genug Physiker und Chemiker in Deutschland und bald auch nicht genügend Mathematiker." Man könne nicht solange warten, bis die Bildungspolitik "hier zu Lande wieder ein Niveau erreicht hat, dass wir Hochqualifizierte aus dem Ausland nicht mehr brauchen". Henkel warnte zugleich davor, die bescheidene Zuwanderung von vielleicht 10 000 Menschen im Jahr für ganz bestimmte Qualifikationen mit dem Problem der Asylbewerber oder Russlanddeutschen zu verwechseln. Diese Vermischung finde aber ganz bewusst statt, um die Bundesregierung in Schwierigkeiten zu bringen.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir warf CDU und CSU in der "Tageszeitung" vor, bei der für den 16. Januar geplanten Expertenanhörung zum Zuwanderungsgesetz auch die Kirchen auszugrenzen. So habe die Union den Vorschlag abgelehnt, je einen Vertreter der große Religionsgruppen anzuhören. Damit versetzten sie den in dieser Fragen nicht auf Unionskurs liegenden Kirchen "einen Tritt in den Hintern", erklärte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag.

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