Beachvolleyball verdankt seinen Aufstieg bei den Olympischen Spielen vor allem dem US-Fernsehsender NBC
Medien, Macht und heißer Sand

Es ist diese knallbunte Mischung aus Bikini-Show, Strand-Party und Hochleistungssport, die Beachvolleyball zu einem Highlight der Sommerspiele 2004 macht. Dass es einmal so weit kommen konnte, dafür ist in erster Linie der US-Fernsehsender NBC verantwortlich.

ATHEN. Wenn heute und morgen - ohne deutsche Beteiligung - die Finalspiele stattfinden, dröhnt vor den Nationalhymnen "Let?s get loud" und "Shake your ass" aus den Boxen. Nirgendwo sonst ist die Musik lauter, die Stimmung auf den Rängen ausgelassener und die Haut der Sportler entblößter als an der Faliro-Küste im Südwesten Athens. Dass es einmal so weit kommen konnte, dafür ist in erster Linie der US-Fernsehsender NBC verantwortlich. Auf der Suche nach einem neuen Quotenkick kamen die Strandvolleyballer gerade recht. "Olympia ist nicht allein Sport. Es ist ein großes Familien-Event", sagt NBC-Sportchef Dick Ebersol.

Der Mann, der als mächtigster Spieler im olympischen Medienzirkus gilt, soll vor Atlanta 1996 die NBC-Lizenzzahlungen davon abhängig gemacht haben, dass Beachvolleyball in den olympischen Reigen aufgenommen wird. Dahinter steckt das Kalkül eines TV-Riesen, der die alleinigen amerikanischen Fernsehrechte für Beachvolleyball besitzt. Jetzt, da sich die Sportart als olympisch anerkannte Disziplin bestens verkaufen lässt, ist der Wert der eigenen Übertragungsrechte deutlich gestiegen. Die teuren Überweisungen, die NBC für die TV-Rechte an Olympischen Spielen aufwendet, lassen sich so teilweise refinanzieren.

Dieser Doppelpass zwischen NBC und IOC funktioniert seit Jahren. Die zweitgrößte amerikanischen Senderkette investiert massiv in die fünf Ringe und hat sich bis einschließlich 2012 die US-Exklusivrechte für alle Olympischen Spiele gesichert. Allein für die aktuellen Sommerspiele blättert NBC-Universal 793 Mill. Dollar hin. Die Kosten für die nächsten Großveranstaltungen summieren sich auf 3,7 Milliarden Dollar, obwohl noch gar nicht klar ist, wer Olympia im Jahr 2012 ausrichten wird.

Im Vergleich dazu nehmen sich die Aufwendungen der Europäischen Rundfunk-Union, zu der ARD und ZDF gehören, geradezu bescheiden aus: 394 Millionen Dollar für Athen, 442 Millionen für Peking und knapp 600 Millionen für die Spiele 2012. Dass die Medien ihren Einfluss auf die Gestaltung der Spiele weiter vergrößern, liegt auf der Hand. Selbst die öffentlich-rechtliche TV-Armada der Deutschen, eigentlich ein kleines Licht im Spiel mit dem olympischen Feuer, spürt das: "Wir hatten erstmals die Möglichkeit, Einfluss auf den Zeitplan zu nehmen", frohlockte ZDF-Olympiakoordinator Eberhard Figgemeier.

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