Beckenbauer: „Irgendetwas stimmt nicht“
Kahn gibt Rätsel auf

Ausgerechnet der Kapitän gibt Rätsel auf. "Oliver Kahn ist, wenn man ihn so sieht, nicht ganz zufrieden", hat Franz Beckenbauer festgestellt. Aber auch der Fußball-"Kaiser" weiß nicht warum. Doch eines steht für den Präsidenten des FC Bayern München definitiv fest: "Irgendetwas stimmt nicht, irgendetwas passt ihm nicht", orakelte Beckenbauer im Bayerischen Fernsehen.

HB/dpa BARSINGHAUSEN. Auf dem Podium der täglichen DFB-Pressekonferenzen wollte sich der Held des WM-Sommers vor dem EM-Spiel an diesem Mittwoch gegen die Färöer nicht präsentieren, im Training wirkte der 33-jährige "Welttorhüter des Jahres" ähnlich angespannt, als gehe es am Fuchsbau der Sportschule Barsinghausen noch einmal um die WM-Krone.

Offensichtlich fühlt sich Kahn selbst unwohl. Plötzlich streute er Zweifel, ob er nach dem verlorenen WM-Finale von Yokohama sein großes Ziel Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land überhaupt noch angehen kann: "Wer weiß, was 2006 ist?" In der Champions League droht ihm mit dem FC Bayern das vorzeitige Aus. In einem seit Jahren vertriebenen Computer-Spiel sieht er seine Persönlichkeits-Rechte verletzt. Nach seiner Würge-Attacke gegen den Leverkusener Thomas Brdaric bot er seinen Rücktritt als Kapitän der Nationalmannschaft an.

Rudi Völler wehrte die Frage nach dem veränderten Gemütszustand seines Kapitäns ab. Er sei genau so wie immer, erklärte der Teamchef - bezog sich dabei aber wohl vor allem auf die sportliche Leistung. "In der ersten Halbzeit in Sarajevo hat er seine Sache sehr, sehr gut gemacht. Ich sehe da keinen Unterschied", betonte Völler. Aber auch er räumte ein: "In der Außendarstellung ist er vielleicht ein bisschen mürrisch." Selbst sein langjähriger Torwarttrainer Sepp Maier bekam die Launen zu spüren: "Den ersten Ball zum Halten", raunzte Vizeweltmeister Kahn den Weltmeister von 1974 an, als Maier in einer Übungsstunde den Ball falsch zuwarf.

"Wenn ich spiele, will ich immer Spaß haben", sagte Kahn nach dem 1:1 in Bosnien-Herzegowina, bei dem er mit zwei tollen Paraden auf schwerem Boden in den ersten 45 Minuten dafür gesorgt hatte, dass der Vize-Weltmeister überhaupt noch die Remis-Chance besaß. Doch genau dieser Spaß scheint ihm abhanden gekommen zu sein. Der in der zweiten Hälfte eingewechselte Jens Lehmann hielt in der letzten Minute mit einem Reflex das 1:1 fest - und bekam in der Öffentlichkeit die größere Anerkennung. Die derzeitige Top-Form von Lehmann ist aber nur ein Mosaikstein, der zu Kahns Verfassung beiträgt. Denn der Dortmunder Herausforderer hat seit Monaten öffentlich nicht mehr am Thron der Nummer eins gerüttelt.

Seit 1994 beim Rekordmeister FC Bayern immer am Limit, seit seinem ersten Länderspiel am 23. Juni 1995 in Bern gegen die Schweiz (2:1) stets mit voller Energie: Kahn steht als Profi seit Jahren nur unter Hochspannung. "Wenn ich die Art und Weise nicht hätte, wäre ich nicht so stark", wiederholte der Torwart jüngst in Sarajevo. Die Art und Weise verhindert derzeit aber offenbar auch die nötige Entspannung. Dabei könnte Kahn durchaus lockerer sein. Denn die WM-Taten des "Titan" sind keinesfalls vergessen, wie nicht nur das erste öffentliche Showtraining in Hannover bewies. Bei vielen Fans steht Kahn noch immer hoch im Kurs.

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