Beckenbauer sagt gemeinsamen TV-Auftritt ab
Wildmoser mit Zeichen von Amtsmüdigkeit

Im Bestechungsskandal um das Münchner WM-Stadion will der FC Bayern gerichtlich gegen Karl-Heinz Wildmoser junior vorgehen. "Unsere Anwälte bereiten derzeit für die Allianz Arena München Stadion GmbH eine Zivilklage gegen Herrn Wildmoser junior vor", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß der Zeitung "tz". Zudem teilte er mit, dass für die Stadion GmbH zwei neue Geschäftsführer vorgeschlagen worden seien. Wildmoser junior, der Hauptbeschuldigte in der Affäre, war am Freitag als Geschäftsführer abgesetzt worden.

HB MÜNCHEN. Karl-Heinz Wildmoser sen. scheint ausgerechnet vor der entscheidenden Sitzung über seine Zukunft als "König der Löwen" sein Kämpferherz verloren zu haben. "Ich bin im Zweifel, was ich tun soll", sagte der wankende Präsident des TSV 1860 München. In der Schmiergeldaffäre um den Stadion-Neubau wurden neue Ermittlungsergebnisse publik, wonach rund 1,7 Mill. der 2,8 Millionen Euro Bestechungsgeld über Schweizer Konten geflossen sind. Das bestätigte der Anwalt von Karl-Heinz Wildmoser junior. Der Wildmoser-Sohn sitzt als Hauptbeschuldigter weiterhin in Haft.

Nach seiner beispiellosen Medienoffensive vom Wochenende zeigte Wildmoser senior Zeichen der Amtsmüdigkeit und machte seinen Verbleib als Chef von der Atmosphäre beim Treffen des Aufsichtsrates am Montagabend abhängig. "Wenn mir einer blöd kommt, stehe ich auf und gehe. In so einem Amt bist du letztlich nur eine Marionette", sagte Wildmoser.

Der große Nachbar und Partner beim Stadion-Projekt, FC Bayern München, ging nach Wildmosers Verbal-Attacken gegen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge auf Distanz. "Solange die Vorwürfe gegen Herrn Wildmoser bestehen, werden wir uns mit ihm nicht mehr an einen Tisch setzen, dafür ist zu viel vorgefallen", sagte Manager Uli Hoeneß. Bayern-Präsident Beckenbauer, dem Wildmoser "Steuergeschichten" vorwarf, sagte als Reaktion den geplanten Auftritt am Montagabend im Bayerischen Fernsehen ab.

Die aufgebrachte Stimmung bei den 1860-Fans, die nach dem 0:2 beim VfB Stuttgart und in immer größer werdender Abstiegsnot mit einer Sitzblockade protestierten, könne er nachvollziehen, sagte Wildmoser, der noch vor der Versammlung von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ein Vieraugengespräch verlangt hatte. Der SPD-Politiker und Aufsichtsrat der Sechziger hatte seine Forderung nach einem Rücktritt des Vereinsbosses mit deutlichen Worten erneuert. "Die Zeit des Monarchen ist vorbei", sagte Ude. "Wenn Wildmoser von sich aus nicht zurücktritt, muss der Aufsichtsrat Position einnehmen, weil Wildmoser sonst eine Belastung für den Verein wird", betonte das Stadtoberhaupt in einem Interview der Münchner "Abendzeitung".

Mit Unverständnis und Enttäuschung reagierte Wildmoser auf das Vorpreschen von Ude in der Präsidentenfrage. "Ich möchte wissen, warum er so Gas gibt, wer ihm da was ins Ohr gesetzt hat. Schließlich sind wir befreundet", sagte der Großgastronom. Sowohl Ude als auch den als Nachfolger bereit stehenden früheren bayerischen Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) hält er nicht für das Führungsamt geeignet: "Soll Ude es doch machen, ich glaube nicht, dass er es kann." Zehetmair habe nicht die zeitlichen Möglichkeiten.

Unklarheit herrschte vor der Versammlung des Aufsichtsrates über die Befugnisse des Gremiums. Während Wildmoser davon ausging, dass er in jedem Fall bis zur nächsten Delegiertenversammlung im Amt bleibt, hielt Geschäftsführer Detlef Romeiko eine sofortige Absetzung für möglich. "Die Lage ist ein bisschen verzwickt, aber Wildmoser wurde im Januar 2001 vom Aufsichtsrat bestellt. Also endete die Amtszeit dieses Jahr im Januar. Der Aufsichtsrat kann einen neuen Präsidenten bestellen", betonte der Vereinsfunktionär. Wildmosers Schicksal ruhte in den Händen der nur acht von neun anwesenden Aufsichtsrats- Mitglieder. Der Vorschlag des Gremiums muss in jedem Fall von einer Delegiertenversammlung bestätigt werden.

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