Beckenbauer vermisst den Chef
Leisetreter Ballack will lauter werden

Statt Führungsstärke zu zeigen, kann Michael Ballack die Chefrolle im deutschen WM-Team nur sporadisch ausfüllen. Nach seiner bislang besten Saison setzte der 25-Jährige bei der Weltmeisterschaft zu wenige, wenn auch wertvolle Akzente.

dpa MIYAZAKI. Statt Führungsstärke zu zeigen, kann Michael Ballack die Chefrolle im deutschen WM-Team nur sporadisch ausfüllen. Nach seiner bislang besten Saison setzte der 25-Jährige bei der Weltmeisterschaft zu wenige, wenn auch wertvolle Akzente. "Wunschvorstellungen und Realitäten klaffen meistens auch ein bisschen auseinander", gab Ballack nach dem 1:1 gegen Irland zu: "Man nimmt sich natürlich viel vor, dass es nicht immer so eintritt, ist eben Fußball."

Auch Rudi Völler weiß, dass der vor Turnierbeginn als möglicher WM-Star gehandelte Ballack an seinen Top-Leistungen bei Bayer Leverkusen gemessen wird. "Aber trotzdem muss man wissen, dass er angeschlagen war. Man darf da sicherlich mal ein Auge zudrücken", sagte der Teamchef mit Verweis auf die immer noch nicht überwundene Fußverletzung. Fast erschrocken fügte Völler hinzu: "Aber er war bei weitem nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht rüberkommt."

An Ratschlägen für den nach dem Ausfall von Sebastian Deisler und der Absage von Mehmet Scholl als Kreativspieler noch mehr geforderten künftigen Bayern-Star mangelt es nicht. "Er ist noch in einer Entwicklungsphase, aber er müsste ein wenig seinen Charakter ändern. Er muss sich selbst erklären, diese Rolle innezuhaben", forderte ARD - Experte Günter Netzer. Franz Beckenbauer projiziert sogar das größte Manko der DFB-Elf auch auf den torgefährlichen Mittelfeldspieler: "In der kritischen Situation fehlte einfach der Chef auf dem Platz. Didi Hamann und Michael Ballack müssten es per Position sein, aber beide sind zu stumm." Ob ein Chef überhaupt notwendig ist, bezweifelt Ballack.

Vielmehr entscheidend seien Spieler, die die Mannschaft in kritischen Situationen nach vorne treiben könnten. "Da muss ich vielleicht auch noch ein wenig lauter werden und auf die Mannschaft einwirken", stimmte er der Einschätzung des "Kaisers" zu. Derartige Selbstkritik ist selten, jedoch nicht, weil es Ballack daran mangelt, sondern weil er nicht gerne über sich selbst spricht. Explizite Fragen zu seiner Person werden vom gebürtigen Görlitzer oft mit allgemeinen Aussagen zur Mannschaft und dem "Kollektiv" umgangen.

Seine Blessur am Mittelfuß will er nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Sicherlich gibt es im Unterbewusstsein hier und da Situationen, wo ich hundert Prozent durchziehen möchte und dann einen Tick zurückstecke", erklärte der Familienvater. Schmerzen habe er aber angeblich keine mehr und will Beobachtungen nicht bestätigen, dass er seinen geprellten rechten Fuß im Spiel schone und mehr mit seinem linken Fuß agiere. "Das hat damit nichts zu tun. Einen Fehlpass kann man immer mal spielen. Mal mit rechts, mal mit links."

Völler hat den Glauben an den wahren Ballack jedenfalls nicht verloren und spricht sich sowie anderen Mut zu. "Ich hoffe und ich bin auch fest davon überzeugt, dass wir wieder den Michael Ballack sehen, den wir sehen möchten."

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