Becker in der „Bild“, Becker bei Gottschalk, Becker bei Kerner, Becker bei Beckmann
Boris Beckers Buchmaschine

Eine beispiellose Marketingkampagne begleitet den Verkaufsstart der Becker-Autobiografie. Besonders das ZDF legt sich für den Weltstar ins Zeug.

DÜSSELDORF. Robert Lübenoff, 46, ist ein eher kleiner Mann mit Dreitagebart und einer fast kahlen, von dünnen Resthaaren umstellten Schädelplatte. Früher ist er als freier Sportjournalist durch die Welt gereist und hat über Tennis geschrieben, einen Sport, der in Deutschland nur wenige interessierte. Bis Boris Becker kam.

Heute gehört Robert Lübenoff die Lübmedia GmbH, eine kleine Firma für Öffentlichkeitsarbeit. Niemand außerhalb der Branche kennt sie. Aber jeder kennt ihren wichtigsten Kunden: Boris Becker. Und wer ihn zuletzt etwa verdrängt haben sollte, wird ihm in den nächsten Wochen nicht entrinnen können: Außer er setzte sich in einen Raum, ließe die Rollladen herunter, zöge den Stecker des Fernsehers und öffnete keinem die Tür, außer vielleicht einem stummen Pizzaboten.

Niemand in Deutschland soll der Werbekampagne entgehen, mit der Boris Beckers Autobiografie unter dem Titel "Augenblick, verweile doch . . ." (352 Seiten, 21,90 Euro) vermarktet wird. Dafür hat Robert Lübenoff gesorgt: Gestern startete die "Bild"-Zeitung mit "Meine Nacht im Hotel mit Annas Mutter" den neunteiligen Vorabdruck. Es folgen Becker bei "Wetten, dass . .?", Becker vier Abende in Serie beim ZDF-Plauderer Johannes B. Kerner, Becker in der ARD bei Reinhold Beckmann, Becker auf Hörbuchschnipseln im Radio. "Eine solche Kampagne ist nur bei Boris Becker möglich", schwärmt Lübenoff. "Das könnte kein anderer in dieser Republik."

Und das Beste daran ist: Sie kostet fast nichts, und alle verdienen daran. Boris Becker, weil er kostenlos wirbt. Die Fernseh- und Radiosender, weil der Promi ihnen Quote bringt. Die "Bild", weil sich Becker- Schlagzeilen immer verkaufen. Der Verlag C. Bertelsmann, weil er den Werbeaufwand zunächst minimal halten kann, um dann selber zum Weihnachtsgeschäft groß einzusteigen. Nur einer kann verlieren: der Kunde, falls das Buch nichts taugt.

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