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Becker: «Man geht wieder zum Rothenbaum»      

dpa: Ist der Rothenbaum trotz Kälte und frühem Aus der deutschen Spieler zu retten?

Boris Becker: «Wir haben hier keine nationale deutsche Meisterschaft. Dass Schüttler, Haas und Kiefer auf dem langsamen Sand nicht ihre beste Leistung abrufen können, war zu erwarten. Bei acht Grad und Regen hatten wir an einem Tag fast 16 000 Zuschauer. Insgesamt sind wir beim Ticketverkauf 20 Prozent über dem Rekord vom Vorjahr. Man geht wieder zum Rothenbaum; das Turnier wird überleben.»

dpa: Gibt es das Turnier auch 2005 wieder mit Chairman Boris Becker?

Becker: «Nach den Gesprächen mit dem DTB und dem Fernsehen macht sich langsam Optimismus breit. Ich bin hier mit viel Herzblut dabei und freue mich schon auf nächstes Jahr. Hundertprozentig sicher wird die Entscheidung zwar erst in vier Wochen sein. Aber die Vision von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust, von 2008 an in einem neuen, größeren Tenniszentrum dieses Turnier veranstalten zu dürfen, gibt mir sehr viel Mut.»

dpa: Eitel Sonnenschein also?

Becker: «Fünf neue Sponsoren wollen nächsten Jahr größer einsteigen. Aber es gibt natürlich immer ein paar Zündler, die - warum auch immer - nicht zufrieden sind.»

dpa: Ärgert Sie Michael Stichs Aussage, Sie hätten nichts bewegt?

Becker: «Wir haben in diesem Jahr drei Mal mehr Sponsoren als letztes Jahr. Michael Stich ist seit zwei Jahren eingeladen, hier mitzuwirken. Das Angebot gilt weiter. Wenn er was bringt, ist er herzlich willkommen.»

dpa: Haben die Umzugspläne dem Rothenbaum Leben eingehaucht?

Becker: «Der Volkspark ist bis 2008 Zukunftsmusik. Es war aber ein klares Bekenntnis vom Bürgermeister. Aber es ist noch nichts unterschrieben. Jetzt muss man versuchen, das in trockene Tücher zu legen und den Worten Taten folgen lassen.»

dpa: Was meinen Sie konkret?

Becker: «Wir müssen jetzt erst mal 2005 bis 2007 überstehen. Ich glaube, das schaffen wir. Das Fernsehen hat in über 50 Ländern 1000 Stunden übertragen. Über drei Stunden im NDR täglich, dazu drei Stunden Premiere und das DSF. Das sind optimale Fernseh-Voraussetzungen. Und das ist Grund genug, warum Sponsoren im kommenden Jahr in einer noch größeren Form mitmachen wollen. Wir haben ein neues Event-Konzept gebastelt, mit mehr Entertainment und Becker als Chairman. Das wird offensichtlich angenommen.»

dpa: Aber auch in diesem Jahr machen Sie wieder Verlust?

Becker: «Es wird auf Grund des guten Zuschauerinteresses weniger als erwartet. Es wird sich um die 500 000 Euro einpendeln. Das müssen wir refinanzieren, damit es weitergeht. Auch das kriegen wir hin.»

dpa: Was wäre abgesehen von schwarzen Bilanz-Zahlen Ihr größter Wunsch?

Becker: «Dass wir in Hamburg ein Damen- und Herrenturnier über zehn Tage durchführen können. Wir hatten ja mal die Möglichkeit, auf Grund des Tennis-Booms Anfang der 90er hier einen Mini-Grand-Slam zu bekommen. Das wurde von den damals Verantwortlichen abgelehnt, aus Arroganz, aus Hochnäsigkeit, aus Ignoranz.»

dpa: Aber was nutzt das schönste Turnier ohne heimische Topspieler?

Becker: «Schüttler, Haas und Kiefer werden uns noch viel Freude machen. Und durch erfolgreiche junge Spieler wird das deutsche Tennis wieder zum Leben erweckt. Florian Mayer ist so einer. Er wird seit zwei Jahren gecoacht von Ulf Fischer, der wahrscheinlich der beste Nachwuchstrainer ist, den wir haben. Der kann durch zwei weitere gute Spieler das Turnier mal schnell retten. Ich bin Optimist.»

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