Beckham als „Fuß Gottes“
Nun will England den WM-Titel

Der "Fuß Gottes" hat Revanche genommen. Jetzt soll David Beckham die "Threee Lions" sogar bis zum Titel führen. Nach dem 1:0 gegen Argentinien sehen sich die Engländer im Duell der Fußball-Großmächte endlich wieder auf Augenhöhe mit den WM-Favoriten.

dpa AWAJI/JAPAN. "Wenn wir so einen Fußball spielen, müssen wir vor niemandem Angst haben. Alles ist möglich", tönte sogar der sonst stets bescheidene Trainer Sven-Göran Eriksson nach dem frenetisch gefeierten Triumph über den Erzrivalen. Vor 16 Jahren hatte Maradona als "Hand Gottes" beim 2:1 im WM-Viertelfinale gegen England eines der umstrittensten Tore auf irreguläre Weise erzielt.

Auch Stürmerstar Michael Owen glaubt an den im Mutterland des Fußballs ersehnten zweiten WM-Gewinn nach 1966. "Wir haben den Favoriten geschlagen, wir können den ganzen Weg gehen", sagte er der Zeitung "News of the World". Und Verteidiger Rio Ferdinand - der England immer vorn gesehen hatte - posaunte im gleichen Blatt voller Selbstvertrauen: "Jetzt werdet ihr es mir glauben. Wir gewinnen den Cup".

Nach der überzeugenden Leistung gegen die Südamerikaner sind aus den wenige Tage zuvor noch als Versager abgestempelten Profis nationale Hoffnungsträger geworden. Sogar die schonungslosen englischen Journalisten empfingen das Nationalteam am Samstag vor dem Training auf Awaji Island mit herzlichem Applaus. "Ihr seid alle Helden", hatte das Massenblatt "The Sun" die Spieler gefeiert. Argentiniens Profis wurden hingegen mit - teils geschmackloser - Häme überschüttet. "Leckt uns, Senors", bemühte "The Sun" wieder einmal ihr großes Repertoire an Sprachentgleisung.

Im Mittelpunkt der englischen Jubelarie stand aber unumstritten David Beckham, der den Sieg gegen die "Argies" als den "süßesten Augenblick in meinem Leben" bezeichnete. Der Superstar von Manchester United rehablilitierte sich mit seinem Siegtor durch Elfmeter für den viel kritisierten Platzverweis gegen die "Gauchos" bei der WM 1998, zog einen Schlussstrich unter die 36-jährige "Leidenszeit" der Engländer im brisanten Dauer-Duell gegen Argentinien und sorgte für eine regelrechte "Beckstase", wie es der "Daily Star" beschrieb.

Die wohl ausgefallenste Lobeshymne auf den Kapitän stimmte der "Daily Telegraph" an, der sich mit einem Schuss Ironie für die Berichterstattung vor vier Jahren entschuldigte und in Beckham nicht mehr den "selbstverliebten, überkandidelten, neureichen Schnösel", sondern den "eleganten, charmanten, telegenen, geschmackvollen, selbstlosen, glorreichen Helden" sieht. Sogar Königin Elizabeth II. wollte am kollektiven Jubel ihres Volkes teilnehmen. "Ich bin sehr erfreut über das Resultat", sandte die Monarchin laut "Daily Mirror" beste Grüße an das Team in Fernost.

Bei so viel Euphorie musste Trainer Eriksson daran erinnern, dass für die neuen Helden am Mittwoch noch das letzte Gruppenspiel gegen Nigeria ansteht und bei einer Niederlage weiter das frühe Aus in der Hammergruppe F droht. "Gelassenheit können wir uns nicht leisten", sagte der Schwede vor der Partie, die Bayern Münchens Owen Hargreaves wegen seiner Wadenblessur wohl verpassen wird. Auch Michael Owen erinnerte an den möglichen Super-Gau: "Es war ein wichtiger Sieg, er nützt uns aber nichts, wenn wir gegen Nigeria nicht bestehen", sagte der 22-Jährige nach dem Erfolg, der laut Kollege Beckham "schöner war als das 5:1 in Deutschland" im September 2001.

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