Bedächtiger Regierungschef mit eisernem Willen
Porträt: Wolfgang Böhmer

Wenn der Medizin-Professor Wolfgang Böhmer skeptisch über seine Brille späht, naht Unheil. Möglicherweise referiert ein Kollege wieder zu lang - und kostbare Zeit zu stehlen, das kann Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhmer nun überhaupt nicht leiden.

HB MAGDEBURG. Die jüngsten Haushaltsberatungen liefen verglichen mit anderen Bundesländern in Sachsen-Anhalt in einem atemberaubenden Tempo, obwohl ein größeres Millionenloch zu schließen war. Mit Böhmer können die Bundesratskollegen auf einen zügigen Verlauf der Sitzungen hoffen.

Der Christdemokrat, der seit Mai amtiert, ist der fünfte Ministerpräsident Sachsen-Anhalts. Bei seiner Aufstellung galt er auch in den Reihen seiner Partei noch als Verlegenheits- Spitzenkandidat, der mangels anderer Bewerber und wegen der damals schlechten Aussichten der CDU ins Rennen geschickt worden war. Bei der Landtagswahl im April war er dann der strahlenden Wahlsieger. Eine CDU/FDP-Koalition löste nach acht Jahren das Magdeburger Modell ab, eine von der PDS tolerierte SPD-Minderheitsregierung.

Böhmer ist kein Volkstribun. Flammende Reden und flotte Sprüche sind seine Sache nicht. Vielmehr wirkt er bedächtig und ruhig, zeigt selten Emotionen. Er möchte die Probleme des Landes, allen voran die höchste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer, effizient lösen, am liebsten ohne öffentliche Debatte und Medienbegleitung.

Trotz der Bedächtigkeit sollte sich aber niemand täuschen. Wenn Böhmer etwas als richtig erkannt hat, verfolgt er das Vorhaben mit eisernem Willen. Jetzt hat er sich vorgenommen, die maroden Landesfinanzen zu sanieren, weil das Land sonst wegen der hohen Zinszahlungen völlig handlungsunfähig würde.

Der Christdemokrat hatte im Vorfeld der Haushaltsaufstellung die Parole ausgegeben, kein Bereich werde per se verschont, es gebe keine Tabus. Als dann einige Minister in Medienberichten erklärten, in manchen Sachbereichen bei ihnen gebe es keine Kürzungen, kanzelte Böhmer die betreffenden Minister öffentlich ab.

Böhmer wurde am 27. Januar 1936 in Dürrhennersdorf (Sachsen) geboren. In die Politik zog es ihn erst nach der Wende. Zuvor arbeitete er als Arzt, zuletzt jahrzehntelang als Chefarzt der gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses in seiner Heimatstadt Wittenberg. Der Politiker ist verwitwet und hat einen Sohn. Seit 1990 sitzt Böhmer für die CDU im Landtag. Von 1991 bis 1994 war er erst Finanz-, dann Sozialminister in einer CDU/FDP-Regierung. type="unknownISIN" value="FDP" />

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