Bedarf weitestgehend gedeckt – Keine großen Wachstumsaussichten mehr
Minivan-Absatz bricht weg

Der Stern der Minivans sinkt. Das neue Fahrzeug-Segment, bislang noch der große Hoffnungsträger für die deutsche Autobranche, verliert schon wieder an Bedeutung. Die Verkaufszahlen gehen deutlich zurück.

zel DÜSSELDORF. Sie sollten die sinkenden Verkaufszahlen der vergangenen Jahre wett machen und für neuen Schwung in der Branche sorgen: Minivans. Familientauglichkeit, hohe Flexibilität - damit werden die Minivans potenziellen Kunden schmackhaft gemacht. Doch die Werbebotschaft kommt nicht mehr an, im ersten Quartal sind die Verkaufszahlen für die Minivans in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Nach Berechnungen des Flensburger Kraftfahrtbundesamtes liegt das Minus bei fast 12 %. Die Automobilanalysten der WestLB kommen sogar auf einen Zulassungsrückgang von 20 %. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Autoabsatz ist im ersten Quartal nur um 4 % gefallen

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Von der Schrumpfkur bei den Minivans sind praktisch alle großen Hersteller betroffen. Auch der wichtigste Minivan auf dem deutschen Markt, der Opel Zafira, musste im ersten Quartal mit minus 14,6 % Federn lassen. Auch frühere Erfolgsautos wie der Renault Scénic (minus 17,5 %) und der VW Sharan (minus 15,7 %) können sich dem Negativtrend des Segments nicht enziehen. Mercedes wirbt mit günstigen Finanzierungsmodellen für seinen Minivan der V-Klasse - Nachlässe sind bei Premiummarken ungewöhnlich.

Grundbedarf gedeckt

"Der Siegeszug der Minivans konnte nicht epwig weiter gehen", fasst Arndt Ellinghorst von der WestLB die aktuelle Situation zusammen. Der Grundbedarf nach diesen Familienkarossen sei inzwischen gedeckt, größere Steigerungsraten könnten deshalb nicht mehr erwartet werden. Im Moment würden sich die Anbieter von Minivans nur noch gegenseitig Marktanteile abnehmen, die Zeit des Wachstums sei vorüber. Die schwache konjunkturelle Lage leistet ihr Übriges: Minivans kosten meist ein Viertel mehr als normale Pkw, verunsicherte Käufer greifen deshalb lieber zum Grundmodell als zum teuren Minivan.

Auf Seiten der Hersteller wird das Problem der Minivans inzwischen ebenfalls gesehen. "Das Segment muss neu belebt werden", fordert Jürgen Hubbert, Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied und Chef von Mercedes. Die eckigen Karosserieformen schadeten dem Absatz, mit einem mehr sportlichen Design würden sich die Verkaufschancen wieder steigern lassen.

Daimler-Chrysler erlebt zum zweiten Mal schwache Verkaufsergebnisse mit Minivans. In den USA musste der amerikanische Konzernteil Chrysler massive Absatzrückgänge hinnehmen, in den Vereinigten Staaten war Chrysler der Begründer des Minivan-Segments. Andere Hersteller folgten mit eigenen Varianten, mit Minivans sind deshalb auch in den USA keine größeren Wachstumssprünge mehr zu erreichen. Chrysler versucht jetzt ebenfalls eine Antwort mit aggressivem sportlichem Design.

Van im Golf-Format

Trotz der aktuellen Flaute startet in diesem Jahr noch ein deutscher Hersteller den großen Einstieg ins Geschäft mit Minivans: Im Herbst bringt Volkswagen seinen ersten Van auf Basis des Erfolgsmodells Golf auf den Markt. Das Auto ist kleiner als der bisher ausschließlich verkaufte Sharan und soll ganz besonders Familien ansprechen.

Volkswagen gibt sich optimistisch, der neue Minivan werde sich auch trotz der Probleme verkaufen lassen. Unterstützung kommt von den Analysten. "VW wird mit einem neuen Auto immer etwas bewegen", sagt Arndt Ellinghorst. Der neue Golf-Minivan schmälere zwar den Absatz des klassischen Basismodells. Doch VW werde es auch gelingen, Kunden von anderen Anbietern abzuwerben. Die VW-Konkurrenten setzen auf die Erneuerung ihres Minivan-Programms: Der neue Renault Scénic kommt nächstes Jahr, der neue Opel Zafira im Jahr 2005.

Quelle: Handelsblatt

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